Die Kapelle auf dem Bergfriedhof

Der Standort innerhalb des Friedhofs

Bergfriedhof, Litera Z - Kapelle
Bergfriedhof - Kapelle auf dem Hügel, heute versperrt Gehölz die Sicht

1844, dem Eröffnungsjahres des Friedhofs, steht die Kapelle am höchsten Punkt des Gottesackers und über die Aussicht ist in der Broschüre zur Erinnerung an die Einweihung des Heidelberger Bergfriedhofs zu lesen: “… von wo sich dem Auge eine der schönsten Aussichten in das gesegnete Rheinthal eröffnet. Links überschaut der Blick die Gebirge bei Baden und des Murgthals, die Ebene bis in die Gegend von Straßburg, westlich liegen die Vogesen und die Gebirge der bairischen Pfalz bis unterhalb des Donnersberges vor den Augen, rechts stellt sich der Anfang der Bergstraße und weiter der Taunus bis zum Riederwald in den Gesichtskreis, und von diesen Grenzen umschloßen liegt die Rheinebene mit ihrem glänzenden Strome und dem sich ihm entgegen schlängelnden Neckar zu den Füßen des Beschauers“ (Wolff 1844, 7f;).

Heute begrenzen die seinerzeit gepflanzten Bäume das Sichtfeld des Beschauers beträchtlich und doch ist – besonders im Winter, wenn die Bäume kein Laub tragen – die damals beeindruckende Fernsicht zu erspüren.


Die Friedhofskapelle von 1842

Bergfriedhof, Litera Z - Kapelle
Bergfriedhof - Kapelle, Seitenansicht mit heute geschlossenen Arkaden

Als es 1839 beschlossene Sache war, das Gelände an der Steige als Friedhof zu nutzen, soll auch eine Kapelle gebaut werden. Mit der Planung und Umsetzung wird der Stadtbaumeister Jakob Julius Greiff beauftragt.

Die Kapelle ist an drei Seiten von Arkaden umgeben, hinter der Kapelle schließt sich ein Leichenhaus mit zwei Räumen an, einer für die Unterbringung – in der Regel – einer “Fundleiche”, einer für den Wärter.


1889 wird der Leichenhallenzwang eingeführt

Bergfriedhof, Litera Z - Kapelle
Bergfriedhof - Kapelle, Innenansicht, die Trennwände zwischen den Arkaden sind heute wieder entfernt

1889 wird der “Leichenhallenzwang” eingeführt. Jetzt ist Platz für die Unterbringung der Verstorbenen vor der Beisetzung nötig. So schließt man die Arkadenbögen der Friedhofskapelle und zieht, beginnend an den Säulen, Wände ein. Der Zugang der so entstandenen Zellen erfolgt durch den Kapelleninnenraum.

Dieser Umbau wird nach den Plänen der Stadtbaumeister Gustav Schaber und Otto Ehrmann vorgenommen. Die Umbauarbeiten sind am 1. Dezember 1889 abgeschlossen.


1897 werden wieder Bauarbeiten fällig

Bergfriedhof, Litera Z - Kapelle
Bergfriedhof - Kapelle, Rückansicht mit Anbau

Der Heidelberger Architekt Phililpp Thomas erhält 1897 den Auftrag, die Kapelle umzubauen (ohne Leichenzellen) und eine Leichenhalle hinter der Kapelle zu errichten.

Bei Mushake wird 1929 die Kapelle mit der Leichenhalle so beschrieben: “Der romanische Bau erhebt sich in der Ausdehnung von 14 X 16 Metern; er besteht aus zwei Stockwerken; im Inneren stehen 6 Pfeiler, welche die Wände des oberen Stockwerkes tragen; über diesen erhebt sich ein kleiner Glockenstuhl, in dem das Totenglöckchen hängt. Das Innere der Kapelle wird durch zehn schmale romanische Fenster an den Wänden des oberen Teil beleuchtet. Das Erdgeschoss ist durch drei hohe Flügeltüren an der Fassade geschlossen, die von der Vorhalle hineinführen. Über den Türen ist ein breites Glasdach eingerichtet um die Trauergemeinde vor dem Regen zu schützen. Das ganze Bauwerk ist aus gelben Backsteinen mit Lisenen von rotem Sandstein gebaut. Hinter der Kapelle nach Süden steht die einstöckige Leichenhalle, 22 Meter lang und 10 Meter breit, ebenfalls aus gelbem Backstein und rotem Sandstein.”


Friedhofskapelle - Innenansichten

Bergfriedhof, Kapelle - Leichenhalle, Innenansicht Bergfriedhof, Kapelle - Innenansicht Bergfriedhof, Kapelle - Innenansicht Bergfriedhof, Kapelle - Innenansicht

Friedhofskapelle - Außenansichten

Bergfriedhof, Kapelle - Außenansicht Bergfriedhof, Kapelle - Außenansicht Bergfriedhof, Kapelle - Außenansicht Bergfriedhof, Kapelle - Außenansicht

Literatur / Quellen

Ernst Mushake (Schriftleitung)
Die Friedhöfe in Heidelberg
Führer durch die christlichen und jüdischen Friedhöfe

Frankfurt/Main o. J. (1929)

Signatur Universitätsbibliothek Heidelberg: KG IV h 159

Zur Erinnerung an die Einweihung des neuen Friedhofes in Heidelberg am 18. September 1844

Heidelberg 1844

Signatur Universitätsbibliothek Heidelberg: Mays (Brosch.) 17,22 RES