Der Friedhof Ziegelhausen Köpfel

Ein Friedhof im Landschaftsschutzgebiet

Friedhof Ziegelhausen-Köpfel - Kapelle
Friedhof Ziegelhausen-Köpfel - Kapelle

“Da die Bestattungsflächen auf dem alten Friedhof in Ziegelhausen knapp wurden und eine Erweiterung inmitten des historischen Ortskerns nicht mehr möglich war, wurde Anfang der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts die Errichtung eines neuen Friedhofs notwendig.

Geplant und errichtet wurde dieser neue Friedhof in landschaftlich exponierter Lage im Gewann Büchsenacker inmitten des Landschaftsschutzgebiets “Bergstraße Mitte”.


Bei der Auswahl der Baumaterialien wurde deshalb streng darauf geachtet, dass sich die Gesamtanlage in die besondere Landschaftssituation einfügt, zugleich aber eine Atmosphäre schafft, die jede kühle Ausstrahlung vermeidet und die versucht, den trauernden Menschen Trost zu vermitteln.

Die gesamte Friedhofsfläche umfasst ca. 16.000 Quadratmeter. Die Einweihung erfolgte am 5. Oktober 1984.

Hier befindet sich auch die Ruhestätte des Heidelberger Gelehrten und Ehrenbürgers Prof. Hans-Georg Gadamer.”


Quelle (wörtlich übernommen):
Der Friedhofswegweiser. Diesseits und Jenseits. Stadt Heidelberg.
2. Ausgabe, Leipzig: MAMMUT-VERLAG 2012, S. 64-65.


Hans-Georg Gadamer (1900-2002) - Professor der Philosophie und Begründer der modernen Hermeneutik

Friedhof Ziegelhausen-Köpfel - Litera B - Grabstätte Hans-Georg Gadamaer
Friedhof Ziegelhausen-Köpfel - Grabstätte von Hans-Georg Gadamer

Hans-Georg Gadamer wird am 11. Februar 1900 in Marburg a. d. Lahn geboren, seine Kindheit und Jugendzeit verbringt er in Breslau. An der Universität Breslau beginnt er auch sein Studium, belegt die Fächer Germanistik, Geschichte und Kunstgeschichte – Philosophie studiert er erst später. 1919 wechselt Gadamer an die Universität Marburg wo er 1922 promoviert. 1924 beginnt Gadamer mit dem Studiums der Klassischen Philologie, 1927 legt er das Staatsexamen für das Höhere Lehramt ab, 1929 folgt die Habilitation in Philosophie bei Martin Heidegger (1889-1976).

Gadamer bleibt als Privatdozent zunächst in Marburger und wechselt dann 1934, nach einem Aufenthalt in Paris, nach Kiel. 1937 übernimmt Gadamer eine Stelle als o. a. Professor an der Marburger Universität. 1939 folgt Gadamer einem Ruf an die Universität Leipzig wo er am Philosophischen Institut als ordentlicher Professor die Direktion übernimmt. 1945 wird Gadamer Dekan der Philosophischen Fakultät, 1946 Rektor der Universität bevor er 1947 nach Frankfurt/Main berufen wird.


1949 folgt Gadamer einem Ruf an die Heidelberger Universität und übernimmt als Nachfolger die Stelle Karl Jaspers. Hans-Georg Gadamer lehrt an der Heidelberger Universität bis zu seiner Emeritierung 1968. Als Emeritus lehrt Gadamer weiter an der Universität Heidelberg und weiteren Institutionen im In- und Ausland, darunter dem Instituto italiano per gli Studi Filosofici in Neapel wo er auch die Ehrenbürgerschaft der Stadt erhält. In Heidelberg wird er an seinem 100. Geburtstag Ehrenbürger.

Gadamer werden viele Auszeichnungen und Ehrungen zuteil. Hans-Georg Gadamer, einer der bedeutendsten Philosophen des 20. Jahrhunderts, stirbt am 13. März 2002 und findet auf dem Heidelberger Friedhof Ziegelhausen-Köpfel seine letzte Ruhestätte (Litera B 55). Hauptquelle


Die Zeitschrift “Der Spiegel” vom 14. März 2002 schreibt zum Tod Gadamers:
“In Folge seines 1960 publizierten Hauptwerks “Wahrheit und Methode” galt er als Hauptvertreter der zeitgenössischen philosophischen “Hermeneutik”, der Lehre von der Auslegung und vom Verstehen. Dem Gelehrten ging es in seinem Werk darum, sich und anderen Menschen eine vertiefte Art von Selbsterfahrung und Lebenserfahrung zu vermitteln. Dabei spielte die denkende und einfühlende Erschließung von Texten aus der gesamten philosophischem und dichterischen Tradition eine zentrale Rolle.
Bis ins höchste Alter hinein war der Gelehrte, der stets auch an aktuellen Weltentwicklungen Anteil nahm, mit seinen Vorträgen in der Öffentlichkeit präsent. Zuletzt erschien noch in diesem Jahr der Gesprächsband “Die Lektion des Jahrhunderts” mit seinem Schüler Riccardo Dottori.” Quelle


Wir möchten uns diesem Zitat anschließen – eine gebührende Würdigung ist an dieser Stelle leider nicht möglich. Einige ausgewählte Links mögen dazu anregen, mehr über Gadamer und seine Lehre erfahren zu wollen.

Hans-Georg Gadamer, Gelehrtenleben – ein Überblick

Universität Heidelberg: Nachruf

Der Spiegel 12/2002: Nachruf

ZEIT ONLINE: hier kommen Schüler Freunde und Wegbegleiter Gadamers zu Wort

“Der Spiegel 8/2000: Interview mit Gadamer

Ruperto Carola 1/2000: Gadamer – der Zeit-Weise

Ruperto Carola 3/2004: Der ununterbrochene Dialog: Hans-Georg Gadamer und Jacques Derrida

Interpretation: Gadamer und die Philosophische Hermeneutik

Gastprofessur zu Ehren Gadamehrs


You Tube / BR-alpha, Hans-Georg Gadamer – Ein Philosoph (2000), Wdh. zum 10. Todestag: Gadamer erzählt aus seinem Leben

You Tube / SWR – 20 Jahre Teleakademie: Vortrag Gadamers von 1990 an der Uni-Heidelberg, Die Vielfalt der Sprachen und das Verstehen der Welt

You Tube / TV-Reihe aus dem Jahr 2000 – Aufgenommen im Istituto Italiano per gli Studi Filosofici, Neapel: Gadamer erzählt die Geschichte der Philosophie


Literatur / Quellen

Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode
Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik

Tübingen 1960

Signatur Universitätsbibliothek Heidelberg: 62 B 1482

Weitere Auflagen/Ausgaben Universitätsbibliothek Heidelberg

Hans-Georg Gadamer
Philosophische Lehrjahre
Eine Rückschau

Frankfurt am Main 1977

Signatur Universitätsbibliothek Heidelberg: 77 A 157

Donatella Di Cesare
Gadamer - ein philosophisches Porträt

Tübingen 2009

Signatur Universitätsbibliothek Heidelberg: 2009 A 2570

Leseprobe bei Google-Books

Jean Grondin
Hans-Georg Gadamer
Eine Biographie

Tübingen 1999

Signatur Universitätsbibliothek Heidelberg: 99 A 1858

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