Der Neue Friedhof in Schlierbach

Der Friedhof

Friedhof Schlierbach/neu - Familiengrabstätte
Friedhof Schlierbach/neu - Familiengrabstätte

Als der Platz auf dem Alten Schlierbacher Friedhof Anfang der 50er Jahre nicht mehr ausreicht, beschließt der Gemeinderat die Anlage eines neuen Friedhofs für die stark angewachsene Schlierbacher Bevölkerung.
Für Planung und Durchführung der Neuanlage des Friedhofs ist der städtische Gartenbaudirektor Wilhelm Siepen verantwortlich.

Im Tagblatt vom 10.10.1954 ist dazu zu lesen, dass ein etwa 250 m südöstlich der alten Anlage, auf einem Hang, gelegenes Gelände mit einer Fläche von etwa einem halben Hektar, für die Neuanlage eines Friedhofs gefunden wurde. Die neue Friedhofsanlage soll einen große Bereich mit Reihengräberfeldern haben, seitlich durch Kauf- Kinder- und Urnengräber begrenzt. Die einzelnen Bereiche sollen durch lockere gärtnerische Anpflanzungen ohne größere Hecken unterteilt werden und sich so die Anlage in die dahinter liegende Waldlandschaft einfügen. Im kommenden Jahr soll der Friedhof in Benutzung genommen werden.

Mitte der 50er Jahre wird der Neue Schlierbacher Friedhof eröffnet. Später erfolgt eine talseitige Erweiterung. Der Friedhof, von den Straßen “Am Gutleuthofhang“ und “Am Rain“ umfangen, hat heute eine Ausdehnung von rund 11.000 m².


Die Friedhofskapelle

Friedhof Schlierbach/neu - Kapelle
Friedhof Schlierbach/neu - Kapelle

Bei Anlage des Neuen Schlierbacher Friedhofs wird auch eine Kapelle errichtet. Den Entwurf liefert die beim städtischen Hochbauamt beschäftigte junge Architektin Ursula Borchers.

Die im südlichen Teil des Friedhofs gelegene Kapelle verfügt über 50 Sitzplätze.


Denkmalgeschützte Grabanlagen

Fünf Grabanlagen bedeutender Persönlichkeiten stehen unter Denkmalschutz:


  • Fritz Bergmaier (1891-1961), war zwischen 1934 und 1957 in führenden Stellungen (Leiter und Generaldirektor) bei den Stadtwerken Heidelberg und von 1938 bis zu seinem Tod im Vorstand der HSB (Heidelberger Straßen- und Bergbahnen).
  • Ernst Forsthoff (1902-1974), bedeutender deutscher Staatsrechtler (Werke u.a.: “Der totale Staat”, 1933; “Die Verwaltung als Leistungsträger”, 1938). Kommentierte das bundesrepublikanische Grundgesetz. Lehrstuhl in Heidelberg von 1943 mit Unterbrechungen ('45-'52) bis zu seinem Ableben.
  • Gustav Friedrich Hartlaub (1884-1963), Kunsthistoriker. Nach Tätigkeiten an den Kunsthallen Bremen und Mannheim (und Bann durch die Nationalsozialisten '33) ab 1946 Professor in Heidelberg. Setzte sich für zeitgenössische Kunst, besonders den Expressionismus, ein und prägte den Begriff “Neue Sachlichkeit” (Ausstellung 1925).
  • Kurt Lindemann (1901-1966), Orthopäde. Folgte 1954 (nach Stationen in Berlin, Kiel, Dortmund und Hannover) dem Ruf nach Heidelberg, wo er Professor und Leiter der Orthopädischen Klinik in Schlierbach wurde (1959 größte Fachklinik Europas). Herausragende Verdienste auf diversen orthopädischen Fachfeldern, u.a. Hüftverformungen und Wirbelsäulenerkrankungen.

……………………………………………………………………………………………………………………………………..Text: Raoul Höcker


Friedhof Schlierbach/neu - Litera A 1-2 - Letzte Ruhestätte von Fritz Bergmaier - Grabausstattung wurde abgeräumt Friedhof Schlierbach/neu - Litera A 95-96 - Letzte Ruhestätte von Ernst Forsthoff Friedhof Schlierbach/neu - Litera A 100 - Letzte Ruhestätte von Gustav Friedrich Hartlaub Friedhof Schlierbach/neu - Litera A 165-167 - Letzte Ruhestätte von Kurt Lindemann Friedhof Schlierbach/neu - Litera A 91-92 - Letzte Ruhestätte von Sigmund Weil

Grabanlagen von links nach rechts: Fritz Bergmaier (1891-1961), Ernst Forsthoff (1902-1974),
Gustav Friedrich Hartlaub (1884-1963),Kurt Lindemann (1901-1966), Sigmund Weil (1881 -1961).


Literatur / Quellen

Wolfgang U. Eckart
Orthopädie
Ein Lebenswerk für die Orthopädie - Sigmund Weil

in: W. U. Eckart, V. Sellin, E. Wolgast (Hrsg.), Die Universität Heidelberg im Nationalsozialismus, S. 841-843;

Heidelberg 2006

Signatur Universitätsbibliothek Heidelberg: LA A 25 22802

Reinhard Hoppe
Vor den Mauern Heidelbergs
Stadtteil Schlierbach

2. Auflage HD 1984; (1. Auflage 1972 unter dem Titel “Vor den Mauern der Stadt”)

Signatur Universitätsbibliothek Heidelberg: 84 A 2469

Kurt Lindemann
Professor Sigmund Weil zum 80. Geburtstag

in: Archiv für orthopädische und Unfall-Chirurgie, mit besonderer Berücksichtigung der Frakturenlehre und der orthopädisch-chirurgischen Technik 53 (1.1961) S. 1-3;

München, Wiesbaden 1961

Signatur Universitätsbibliothek Heidelberg

Online: Archives of Orthopaedic and Trauma Surgery, Vol. 53 (1. 1961), p. 1-3 http

Stadt Heidelberg
Der Friedhofswegweiser
Diesseits und Jenseits

MAMMUT-VERLAG Leipzig 2008

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