Der Alte Friedhof in Wieblingen

Der Friedhof

Anfang des 19. Jahrhunderts wird südlich des Dorfes der Alte Wieblinger Friedhof angelegt, da der bis dahin über viele Jahrhunderte von den Wieblinger und Grenzhöfer Bürgern als Friedhof genutzte Platz um die Alte Evangelische Kirche zu klein geworden war.

Das Datum der Einweihung oder Inbetriebnahme des kommunalen Friedhofs kann leider nicht mehr ermittelt werden. In der Literatur findet nur ein Stein in der alten Südmauer des Friedhofs, der die Jahreszahl 1811 trägt, Erwähnung. Der Friedhof um die Alte Evangelische Kirche wird nun nicht mehr genutzt, die Grenzhöfer Bürger nutzen den neuen kommunalen Friedhof noch bis um 1820, dann erhalten sie einen eigenen Gottesacker.

1858 wird der Friedhof nach Norden hin erweitert. Ein Stein mit der Inschrift “1858” in der Mauer neben der ehemaligen Leichenhalle soll auf die erste Erweiterung des Friedhofs hinweisen (Neu 1929, Seite 91). Wir haben den Stein, der 1929 noch vorhanden ist, bisher nicht entdeckt. Die zweite Erweiterung erfolgte in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts nach Süden, vermutlich ist dabei der Stein mit der Jahreszahl 1811 beim Abtragen der alten Südmauer verloren gegangen.


Friedhof Wieblingen/alt - ehemalige Leichenhalle
Friedhof Wieblingen/alt - ehemalige Leichenhalle, heute Büro.

1968 beschließt der Gemeinderat die Schließung des Friedhofs zum Jahre 1987. So werden die Verstorbenen ab diesem Zeitpunkt auf dem Neuen Wieblinger Friedhof bestattet. Die Wieblinger wollen aber weiterhin den alten Friedhof nutzen und so wird, auf Beschluss des Gemeinderates im November 1997, der Friedhof wieder eröffnet (Der Friedhofswegweiser – Diesseits und Jenseits 2012, Seite 59).

Nach der Eingemeindung Wieblingens 1920 ist die Stadt Heidelberg für den Friedhof zuständig. Heute beträgt die Größe des Friedhofs 9.200 Quadratmeter.


Die Friedhofskapelle

Friedhof Wieblingen/alt - Kapelle
Friedhof Wieblingen/alt - Kapelle

1954 wird eine Friedhofskapelle mit 85 Sitzplätzen auf dem nach Süden hin erweiterten Friedhofgeländes errichtet und eingeweiht.

Zuvor wurde schon 1925 von der Stadtgemeinde eine Leichenhalle an der Nordostecke des Friedhofgeländes errichtet. Das Gebäude wird später umgebaut: ein von Pfeilern gestützter ehemaliger Vorbau (Süd- und Westseite) wird zugemauert und mit Türen versehen. Die Pfeiler sind noch gut erkennbar. Heute dient das Gebäude als Büro.*


Die Gedenkstätten

Friedhof Wieblingen/alt - Kriegerdenkmal
Friedhof Wieblingen/alt - Denkmale für die Gefallenen der beiden Weltkriege und des Deutsch-Französischen Krieges 1870/1871

Im Bereich des Osteingangs erinnern zwei Denkmale an die gefallenen Soldaten der beiden Weltkriege und des Krieges 1870/1871. Die Inschrift auf der die beiden Denkmale verbindenden Mauer lautet:

“Wir waren eins in der Liebe zur Heimat und haben ihr alles gegeben – Bruder, wie klein ist dein Streit”

Auf dem Sockel des Denkmals links steht: “1939-1945”. Auf dem Sockel des Denkmals rechts ist zu lesen: “Dem Gedenken / der im / Weltkrieggefallenen / Helden / 1914-1918”. Auf der Rückseite dieses Denkmals wird der Gefallenen des Krieges 1870/1871 gedacht. Ein ehemals eigenes Denkmal wurde 1931 abgetragen*.


In der Nähe der Westmauer des Friedhofs befindet sich ein kleiner Bereich mit Gräbern von gefallenen oder nach dem Krieg an ihren Verletzungen gestorbenen Soldaten des Ersten Weltkrieges.

Auch auf Grabsteinen von Familiengräbern findet man Hinweise auf Gefallene der beiden Weltkriege.


Denkmalgeschützte Grabanlagen

Friedhof Wieblingen/alt - Litera C 100-104 - Helmreich
Friedhof Wieblingen/alt - Familiengrabstätte Helmreich

18 historische Grabanlagen auf dem Alten Wieblinger Friedhof stehen zur Zeit unter Denkmalschutz.

Vom ehemaligen Friedhof um die Alte Evangelische Kirche wird später nur der Grabstein der 1804 verstorbenen Anna Maria Helmreich auf den Alten Wieblinger Friedhof verbracht (Mushake 1929, S. 159). Er gehört nun zur Grabanlage der Familie Helmreich.*

Sie birgt auch die älteste noch erhaltene Grabstätte des Friedhofs. Georg Helmreich wurde hier 1828 beigesetzt.


Drei historische Grabmale sind heute an der Nordmauer außerhalb des Friedhofs auf dem Gelände der Neuen Katholischen St.-Bartholomäuskirche aufgestellt:

Die Grabmale der Priester Eduard Dengler (1838-1889) und Jakob Vierling (1885-1911) sowie das Grabmal des Pfarrers Johann Schwall (1875-1943).

Bei Mushake 1929, Seite 160 ist zu lesen, dass die Gräber der beiden erstgenannten nebeneinander auf der Südseite des Friedhofs liegen (heute Litera D).*


Bei einigen der denkmalgeschützten Grabanlagen wurde das Nutzungsrecht an die Stadt Heidelberg zurückgegeben. Hier besteht die Möglichkeit, eine der Grabanlagen als Pate in Obhut zu nehmen und ggf. unter bestimmten Voraussetzungen auch das Nutzungsrecht zu erwerben.

Bei Interesse werden Ihnen gerne die auf eine Grabpatenschaft wartenden Grabanlagen vorgestellt.


Der Friedhof um die Alte Evangelische Kirche

Wieblingen - Reste der alten Kirche
Wieblingen - Reste der Alten Evangelischen Kirche, heute Kapelle der Elisabeth-von-Thadden-Schule

Gegen Ende des 1. Jahrtausends wird unter dem Lorscher Abt Gerbodo in Wieblingen eine Kirche gebaut. An gleicher Stelle entsteht im 15. Jahrhundert eine neue Kirche, 1496 ist sie den Heiligen Valentin und Bartholomäus geweiht (Wormser Synodalregister).

Das Gotteshaus wird mehrfach auf- und umgebaut. In Ausnahmefällen wird auch in der Kirche bestattet. So erhält die Familie von Vulteé die Erlaubnis, eine Familiengruft in der Kirche anzulegen (linke Seite des Chors). Hauptsächlich sind es aber Geistliche und deren Familienangehörige, die in der Kirche bestattet werden.

Heute sind von der Alten Evangelischen Kirche noch der Turm, die Sakristei und der Chor mit seiner spätgotischen Deckenmalerei erhalten. Auf dem Gelände der Elisabeth-von-Thadden-Schule gelegen, dient der Bau als Kapelle.


Um die Kirche liegt der Friedhof, auf dem die Einwohner Wieblingens und des Grenzhofs, unabhängig von ihrem Glauben, ihre Angehörigen bestatten.

Anfang des 19. Jahrhunderts reicht der Platz um die Kirche nicht mehr aus und so wird um 1810 der Alte Wieblinger Friedhof im Süden des Ortes angelegt. Der Friedhof um die Alte Evangelische Kirche wird aufgelassen, die Grabmale verwittern.

Später wird das Grabzeichen der 1804 verstorbenen Anna Maria Helmreich auf den Alten Wieblinger Friedhof geholt und in die Grabanlage der Familie Helmreich integriert. Weitere Grabmale sind uns leider nicht erhalten geblieben.


* Hinweise

Herr Petschan, Vorstandsmitglied des Stadtteilvereins Wieblingen, hat uns darauf hingewiesen, dass das bei Neu (1929, S. 114) aufgeführte Kriegerdenkmal 1870/1871 – wir haben es vergeblich gesucht – “1931 abgetragen wurde”. Ebenfalls haben wir von Herrn Petschan erfahren, dass der historische Grabstein von Anna Maria Helmreich, der vom ehemaligen Friedhof um die Alte Evangelische Kirche stammt, 1938 durch eine Kopie ersetzt worden ist. Auf der Grabsteinkopie wird der zweite Vorname mit “Margaretha” angegeben. Dem Hinweis, dass zwei weitere Grabsteine von Pfarrern vom Alten Wieblinger Friedhof auf das Gelände der evangelischen Kreuzkirche verbracht wurden, werden wir nachgehen und entsprechende Fotos anfertigen.

Den Hinweis zum Umbau der ehemaligen Leichenhalle haben wir von Herrn Zimmermann, Mitarbeiter der Stadt Heidelberg, erhalten.

Herzlichen Dank für diese Hinweise!


Literatur / Quellen

Festschrift zum Heimattag 1960

in: 40 Jahre HD-Wieblingen, Festtage vom 30. Juli bis 7. August 1960

Heidelberg o.J.

Signatur Universitätsbibliothek Heidelberg: B 5288-4-7

Ernst Mushake (Schriftführer)
Die Friedhöfe in Heidelberg
Führer durch die christlichen und jüdischen Friedhöfe

Frankfurt/Main o. J. (1929)

Signatur Universitätsbibliothek Heidelberg: KG IV h 159

Heinrich Neu
Aus der Vergangenheit von Wieblingen

Selbstverlag (HD 1929)

Signatur Universitätsbibliothek Heidelberg: B 5288-4-5

Hermann Weisert
1200 Jahre Wieblingen

in: Anlage zur “Ruperto-Carola, 18. Jhg., Bd. 40, Dezember 1966

Heidelberg 1966

Signatur Universitätsbibliothek Heidelberg: ZST 2657 B::18.1966,Nr 39-40

Der Friedhofswegweiser - Diesseits und Jenseits
Regionalausgabe Heidelberg

2. Ausgabe, Leipzig 2012

Herausgeber und Redaktion: MAMMUT-VERLAG

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