Der alte Friedhof in Ziegelhausen

Der Friedhof

Friedhof Ziegelhausen/alt - Litera C 360 - Historisches Grabmal
Friedhof Ziegelhausen/alt - Historisches Grabmal

Vom Kloster Schönau aus wird im ausgehenden 16. Jahrhunderts die Laurentiuskapelle mit Friedhof auf einem über der Talstraße gelegenen Hügel, dem Heidenacker, gestiftet. Neben der Kapelle trägt einer der Eingangspfosten zum Gottesacker auf einem Wappenschild die Jahreszahl 1599, mit den Buchstaben HKS. “Von der Brechhohl im Osten und dem Schönauer Abtweg im Westen führten die beiden Kirchhofwege zu dem mit einer Hecke umgebenen Gottesacker.” (Hoppe 1940, S. 75)

Der Friedhof dient allen Ziegelhäuser Einwohnern als Begräbnisstätte: im Osten bestattet man die Katholischen, im Westen die Reformierten.

Der Friedhof wird im Laufe der Zeit mehrfach erweitert. 1832 trägt man dabei die nur noch als Ruine erhaltene Kapelle ab, versetzt das Nordtor an den Osteingang und errichtet mit den erhaltenen Steinen der Kapelle kleine Mauern zu beiden Seiten der Torpfosten. Der Pfosten mir dem Wappenschild erhält zusätzlich die Inschrift Reno 1832. Der vor dem Friedhof gelegene Weg wird in die Anlage mit einbezogen.


1837 beinhaltet die Friedhofsordnung, dass ab jetzt auf dem Ziegelhäuser Friedhof in Reihengräber, ohne Unterscheidung nach Konfessionen, bestattet wird.

Die Friedhofsordnung vom 20.12.1920 und 2.2.1921 sieht den Erwerb von Kaufgräbern vor. Auf Beschluss des Gemeinderates wird diese Option im Februar 1923 aus Platzgründen gestrichen und erst wieder im Juni 1926 in die Friedhofsordnung aufgenommen.

Nach dem Ersten Weltkrieg werden Bäume zur Verschönerung des Friedhofs angepflanzt und 1926 beschließt der Gemeinderat, das Osttor gegen “Eingangstore, die sich der Gegend anpassen” auszutauschen. 1928 erhält der Schlossermeister Adam Franzmathes den Zuschlag für die Lieferung der neuen Tore. Das alte Tor mit dem “Inschriftpfosten” wird an den Westeingang versetzt.

1929 wird der Platz auf dem Friedhof wieder knapp doch statt das Gelände zu erweitern wird überlegt, einen neuen Friedhof an anderer Stelle anzulegen. Letztlich wird dann doch 1936 der vorhandene Friedhof erweitert.


Friedhof Ziegelhausen, Teilansicht
Teilansicht des 1960 neue angelegten Friedhofgeländes

Die Erweiterung des Friedhofs Ende der 50er Jahre gestaltet sich recht schwierig, was aber erst einmal nicht vorauszusehen ist, als 1955 ein Kostenvoranschlag für die Erweiterung des Friedhofs mit Einbezug der nördlich gelegenen, ehemaligen Tongrube der Abtei Neuburg, erstellt wird.

1958 beginnen die Arbeiten. Mit dem Aushub vom neu erbauten Paulusheim am Stiftweg wird die Grube zugeschüttet (800 Kubikmeter). Doch die Einebnung des Geländes kann mit den Gerätschaften vor Ort nicht bewältigt werden. Die Anfrage bei der in Heidelberg stationierten US-Einheit am 29. Juni 1959, ob sie mit einem Erdschieber Hilfe leisten könnten, wird negativ beschieden, ein zweiter Brief im Februar 1960 hat offensichtlich Erfolg.

Am 17 April 1960 ist in der Rhein-Neckar-Zeitung zu lesen, dass seit Dienstag Vormittag Mitglieder einer Amerikanischen Armee-Einheit mit einem 23 Tonnen schweren Erdschieber der Amerikanischen Heereseinheit das Gelände auf dem nördlichen Teil des Friedhofs planieren.

Auf der nun glatten, sauberen Fläche können 200 neue Gräber angelegt werden. Die nötige Neubepflanzung übernehmen die Gärtner einer Baumschule, die sich auf “Pflanzgut für Lehmböden” spezialisiert haben. Verantwortlich für die Erweiterungsarbeiten ist Architekt Walter Bauer aus Ziegelhausen. Über die Gestaltung des Zufahrtsweges soll später entschieden werden, die Erweiterung des Platzes vor der Leichenhalle soll in Betracht gezogen werden.

Heute hat “Der malerisch über dem Dorf gelegene Friedhof, einer der schönsten in der ganzen Umgebung, so recht ein Garten des Friedens” (Hoppe 1940, S. 77) eine Ausdehnung von einem Hektar und wird von Wohnhäusern umschlossen.


Die Friedhofskapelle

Friedhof Ziegelhausen/alt - Kapelle mit Leichenhalle
Friedhof Ziegelhausen/alt - Kapelle mit Leichenhalle (rechts)

1900 wird auf Verlangen der Behörde auf dem Ziegelhäuser Friedhof eine Leichenhalle mit 2 Zellen für 8 Särge errichtet, die Trauerfeier findet weiterhin im Freien statt.

Während der Bauzeit wird auch der Friedhof erweitert und die vier dabei aufgefundenen alten Grabplatten an den Außenwänden des Gebäudes eingemauert.

Bald schon genügt die Leichenhalle mit 2 Zellen für 8 Särge nicht mehr doch es sollte noch fast ein halbes Jahrhundert dauern, bis der Antrag von 1925 auf Erweiterung der Leichenhalle in die Tat umgesetzt wird.


1968 ist es soweit, nach den Entwürfen des Architekten Josef Franzmathes wird die Leichenhalle erweitert und eine Kapelle mit 70 Sitzplätzen angebaut.

Zwei der um 1900 aufgefundenen Grabplatten bleiben weiterhin rechts und links der Eingangstür zum historischen Teil der Leichenhalle eingemauert, zwei Grabplatten werden in die nordwestliche bzw. südöstliche Außenmauer der angebauten Kapelle versetzt.

Links neben der Tür des Westeingangs zur Kapelle sind heute Gedenktafeln für die Künstler Will Sohl (1906-1969) und Joachim Lutz (1906-1954) in die Mauer eingelassen.


Die erste, heute nicht mehr vorhandene, Kapelle mit einer Glocke wird im ausgehenden 16. Jahrhundert vom Kloster Schönau aus für den Ziegelhäuser Friedhof gestiftet. Während des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) und der Pfälzischen Eroberungskriege (“Orleanischer Krieg”) unter General Melac (1685/1689) wird die, nach dem heiligen Laurentius benannte, Kapelle zum Teil zerstört und danach nicht wieder aufgebaut.

Vereinzelt wurde später auch in der Kapelle bestattet: 1746 heißt es von Georg Reischmann und einem Kind des Försters Schubert “in ecclesia sepultus est”. 1832 trägt man im Zuge der Erweiterung des Friedhofs die nur noch als Ruine erhaltene Kapelle ab um mehr Platz auf dem Friedhof zu schaffen.


Näheres zu den um 1900 aufgefundenen Grabplatten

Grabplatten rechts und links der Eingangstür zum historischen Teil der Leichenhalle im hinteren Teil der Kapelle

Friedhof Ziegelhausen/alt - Kapelle - Innen, Grabplatten
Friedhof Ziegelhausen/alt - Kapelle - Innen, Grabplatten

Links der Eingangstür zur Leichenhalle:

Grabplatte mit Wappenschild, darauf Kopf mit Haube oder Helm und Umschrift:

Hier leit be / graben die ehrsam Frida Hans / Platnrs Muter / der God Gnad Ano dm 1503

Rechts der Eingangstür zur Leichenhalle:

Inschrift unleserlich


In die nordwestliche Außenmauer der Kapelle eingemauerte Grabplatte

Friedhof Ziegelhausen/alt - Grabplatte (Detail)
Friedhof Ziegelhausen/alt - Kapelle Nordwestseite - Grabplatte Klowerlant(Detail)

Grabplatte mit Wappen, darauf Mühlrad und Brezel.

Umschrift:

Anno domini 1612 / den I/IX Septem. ist der achtb. und furnem Hans / Klowerlant Schultes / zum Ziegelhaus selig entschlafen dem Got / ein freli / che Ufer / steung / wolle ver / leihen. Amen


Friedhof Ziegelhausen/alt - Grabplatte (Kapelle)
Friedhof Ziegelhausen - Kapelle Nordwestseite - Grabplatte Klowerlant

Dazu ist folgender Spruch eingehauen:

Ich armer Mensch gar nichts bin / Gottes Sohn allein ist mein Gewin / Das er mein worten ist mein Drost / Er hat mich durch sein Blut erlöst / O Jesu Christ hilf du nun mir / Das ich ein Zweiglein bleib an Dir / O Got Vater regier du mich / Mit deinem Geiste stetiglich / Las deinen Sohn mein Trost und Leben / Alzeit in meinem Hertzen schweben / Und wan die Stund vorhanden ist / Nim mich zu dir Her Jesu Christ / dan bin ich Dein und Du bist mein / Wie gern wolt ich balt bei Dir sein / 1607 w(ard) der St. gemacht.


In die südöstliche Außenmauer der Kapelle eingemauerte Grabplatte

Friedhof Ziegelhausen/alt - Kapelle, Außenansicht/Grabplatte
Friedhof Ziegelhausen/alt - Kapelle Südostseite - Grabplatte von Villers

Grabplatte mit Wappen der Maria Magdalena Friederika Wilhelmina Henriette von Villers

Nach dem evangelischen Kirchenbuch war sie die Tochter des Theodor von Villers, ehem. Offiziers in kgl. preußischen Diensten und starb am 17. April 1815 im Alter von 13 Jahren.


Angaben zu den Grabplatten sind dem Buch von Reinhard Hoppe “750 Jahre Ziegelhausen, Heidelberg 1970, 70ff” entnommen.

Abweichend zu Hoppe: Grabplatte links der Eingangstür zur Leichenhalle, bei Karl Christ “Chronik von Ziegelhausen und dem Centwald, Heidelberg 1923, S. 7, Anm. 11”: “… Grabstein der ehrsamen Frida, Hans Plumers Witwe, mit seltsamer Haube auf dem Kopf, von 1503.”


Der Gemeinderat und die Friedhofskapelle mit Leichenhalle (Protokollauszüge)

Nach Unterlagen aus dem Stadtarchiv Heidelberg

2 Zellen für 8 Särge hat die Leichenhalle von 1925 aufzuweisen. Sie entspricht nicht mehr den Anforderungen und so stellt Gemeinderat Scheid am 3. Juli 1925 den Antrag, einen Kostenvoranschlag für eine neue Leichenhalle einzuholen. Als sich das Problem verschärft, beschließt der Gemeinderat am 10. August 1928 “der Errichtung einer Leichenhalle nähehrzutreten und die erforderlichen Unterlagen hierzu zu beschaffen”.

Am 30. Januar 1929 reicht Ferdinand Wilhelm einen Entwurf für “eine Leichenhalle mit Kapelle an der Wegecke der jetzigen Leichenhalle” für eine Bausumme von 20.000 bis 25.000 Mark ein. In einer Sitzung am 8. Februar 1929 erhält der Gemeinderat von der Genossenschaft der Bauhandwerker in Ziegelhausen E.G.m.b.H. einen “Entwurf nebst Situationsplan zum Neubau einer Leichenhalle auf dem Friedhof Ziegelhausen”. “Mit vorläufigem Entwurf wird gleichzeitig eine Vergrößerung des Friedhofs geplant, was in absehbarer Zeit sowieso erforderlich werden wird”. “3-4 Leichen” sollten dafür umgebettet werden und der Geräteschuppen sollte wegfallen. An die freiwerdenden Stelle sollte ein Gefallenendenkmal errichtet werden. Neben vier “Totenkammern”, einem “Sektionszimmer”, einem Raum für die Unterbringung der Gerätschaften und der Friedhofskapelle mit Empore (“für Gesangs- und Musikdarbietungen”) und Glockenturm sollten Räumlichkeiten für den Pfarrer mit Familie entstehen. Der Gesamtpreis sollte sich auf ca. 27.000 Mark belaufen.

Es wird jedoch beschlossen, einem “neuen Friedhof mit Erbauung einer Leichenhalle” an anderer Stelle den Vorzug zu geben. Die Grundstücke von F. Birnstihl, J. K. Stadler und der Witwe F. Eubler sollten als Areal für den neuen Friedhof angekauft werden. Der Architekt Ferdinand Wilhelm und die Genossenschaft der Bauhandwerker sollen Nachricht über den Beschluss erhalten mit der Bitte um die Rechnung. Am 12. März 1929 zeigt der “Todesfall Nagel” dass die Unterbringung der Verstorbenen in der Leichenhalle “vollkommen unzulänglich” ist, die Gerätschaften des Totengräbers anderweitig unterzubringen sind und die Leichenhalle selbst besser hergerichtet werden soll. Am 15. März 1929 beschließt der Gemeinderat, dass ein Geräteschuppen neu erstellt werden soll.

Am 29. September 1933 soll “ die Erstellung einer Leichenhalle in kürzester Frist in Anspruch genommen werden” die Finanzierung soll auch durch Spendenaufrufe ermöglicht werden. Am 28. April 1936 beschließt der Gemeinderat, dass eine neue Leichenhalle vorerst nicht erstellt wird.

Am 17. April 1962 bittet das Staatliche Gesundheitsamt Heidelberg das Bürgermeisteramt von Ziegelhausen um Angaben bezüglich Leichenhallen. Antwort zum Ziegelhäuser Friedhof: “Eine Leichenhalle mit 2 Zellen für 8 Särge”.


Denkmale

Friedhof Ziegelhausen/alt - Litera C - Denkmal Familie von Bernus
Friedhof Ziegelhausen/alt - Denkmal Familie von Bernus

1969 werden die Grüfte der früheren Stiftsherren von Bernus abgeräumt und das zur Grabanlage gehörende hohe gesockelte Kreuz im nördlichen Bereich des Friedhofs als Denkmal aufgestellt. Der Fuß des Kreuzes trägt in goldenen Lettern die Inschrift “Ich bin die Auferstehung und das Leben”.

In den Sockel sind folgende Worte eingehauen: ZUM GEDENKEN / Begräbnisstätte / der Freiherrlichen Familie von Bernus / zu / Stift Neuburg

Der Stiefsohn und Erbe des Stift Neuburg, Alexander von Bernus (verkauft die Klosteranlage 1926 an die Erzabtei Beuron) ist nicht in Ziegelhausen sondern mit seiner dritten Ehefrau Isa auf dem städtischen Friedhof in Donauwörth bestattet.


Friedhof Ziegelhausen/alt - Litera B 436-438 - Gedenkstätte für Priester und Ordensleute
Friedhof Ziegelhausen/alt - Gedenkstätte für Priester und Ordensleute

In der Mitte des Friedhofs befindet sich ein über fünf Meter hohes Denkmal. Es bezeichnet die Grabstätte von Geistlichen die hier bestattet sind und steht gleichzeitig für eine Gedenkstätte.

Eine Tafel am Fuße des Monuments trägt die Inschrift: “In Dankbarkeit gedenken wir unserer Priester und Ordensleute”.


Friedhof Ziegelhausen/alt - Grabmal Familie Schmezer
Friedhof Ziegelhausen/alt - Grabmal der Familie Schmezer

Im Bereich des Eingangs zur Friedhofskapelle findet man das Grabmal der Familie des evangelischen Pfarrers Christoph Schmezer, ein Obelisk.

Während die Ehefrau des Pfarrers und weitere Angehörige auf dem Alten Ziegelhäuser Friedhof ihre letzte Ruhestätte gefunden haben liegt der 1882 verstorbene Pfarrer Schmezer in Ladenburg begraben.


Friedhof Ziegelhausen/alt - Kriegerdenkmal
Friedhof Ziegelhausen/alt - Eingang mit Kriegerdenkmal 1870/71

Ein am Beginn der Heinrich-Stoeß-Straße stehendes Denkmal für die gefallenen Soldaten des Krieges von1870/71 bekommt nach dem Zweiten Weltkrieg eine Gedenktafel für die Gefallenen der beiden Weltkriege und wird vor den Eingang des Alten Ziegelhäuser Friedhof aufgestellt


Denkmalgeschützte Grabanlagen

Friedhof Ziegelhausen, Litera A 327-328
Hier ist eine Patenschaft möglich

Auf dem Alten Ziegelhäuser Friedhof wurden Grabanlagen über viele Generationen genutzt und so wurden Grabdenkmale bewahrt und sind heute als kunsthistorisch wertvoll eingestuft. Auch die Gräber wichtiger Persönlichkeiten stehen unter Denkmalschutz. Zur Zeit stehen 30 historische Grabanlagen auf der Liste “Erhaltenswerte Grabanlagen”.

Einige Familien haben das Nutzungsrecht an einer historischen Grabanlage an die Stadt zurückgegeben. Hier besteht die Möglichkeit, diese Grabanlage als Pate in Obhut zu nehmen und ggf. unter bestimmten Voraussetzungen auch das Nutzungsrecht zu erwerben. Bei Interesse werden Ihnen gerne die auf eine Grabpatenschaft wartenden Grabanlagen vorgestellt.


Bemerkenswerte Gräber

Stellvertretend sei auf die beiden Künstler Will Sohl und Joachim Lutz hingewiesen. Leider kennzeichnen keine Grabmale die letzte Ruhestätte – sie sind abgeräumt worden. Die Gedenktafeln an der Friedhofskapelle sind kein Ersatz, ihnen fehlt das Einzigartige einer Begräbnisstätte.


Will Sohl (1906-1969), Maler

Friedhof Ziegelhausen/alt - Kapelle außen- Gedenktafel für Will Sohl
Friedhof Ziegelhausen/alt - Gedenktafel für Will Sohl

Will (Wilhelm) Sohl, am 17. Juni 1906 in Ludwigshafen/Rh. geboren, wächst in Mannheim auf. Nach dem Abitur studiert Sohl ab 1925 in Düsseldorf Architektur, wechselt aber bald ins Fach Malerei. Schon als Schüler hatte er Freude am Zeichnen, ist begabt. 1928 wird Sohl an der Düsseldorfer Kunstakademie Meisterschüler von Heinrich Nauen, erste Werke werden in Ausstellungen gezeigt. Parallel beginnt Sohl in Köln an der Universität mit dem Studium der Kunstgeschichte und der Archäologie, setzt später das Studium in Zürich und Berlin fort.
Es folgen erste Studienreisen ins Europäische Ausland.

Als Will Sohl 1935 zum ersten Mal nach Sylt reist findet er hier seine “malerische Heimat”. Zahlreiche Aufenthalte werden folgen. Hier begegnet er 1946 auch dem ersten Direktor (1910) der Mannheimer Kunsthalle Fritz Wichert (1878-1951), es entsteht eine fruchtbare Verbindung.


1936 zieht Will Sohl mit seiner Familie, 1932 hat Sohl seine Jugendfreundin Ruth von Davans geheiratet (sie bekommen 5 Kinder), nach Heidelberg-Ziegelhausen, wohnt bald darauf in einem Haus unterhalb des Stift Neuburg. Von 1939-1945 wird Sohl eingezogen.

Nach dem Krieg ist er 1946 Mitbegründer der Künstlervereinigung Pfälzische Sezession. Die zuvor schon 1945 von Will Sohl mitbegründete Heidelberger Künstlervereinigung “Freie Gruppe” (stellt z. B. vom 3.8. -23.8.1946 Werke von August Macke aus) löst sich nach vier Jahren aus finanziellen Gründen wieder auf. Von 1956-1958 lehrt Will Sohl an der Darmstädter Werkkunstschule.
Am 11. August 1968 erhält Will Sohl in Bernau den Hans-Thoma-Preis, Staatspreis des Landes Baden-Württemberg.


Werke von Will Sohl sind in zahlreichen Ausstellungen zu sehen und in namhaften Museen und Galerien vertretet. 1953 entsteht auch das erste Mosaik (Altarraum) in der evangelischen Christuskirche in Bonn-Bad Godesberg, es folgen viele weitere, unter anderem die Entwürfe für fünf Glasfenster im Kreuzgang von Stift Neuburg.

Auf der Internetseite von Heidelberger FORUM für KUNST e. V. ist zu Will Sohls Werk zu lesen: “Im Mittelpunkt der Arbeiten von Will Sohl steht die Auseinandersetzung mit der Natur, deren ursprüngliche Schönheit er ohne illustratives oder anekdotisches Beiwerk ausdrucksstark umsetzt. Waren seine frühen Arbeiten noch eher am französischen Impressionismus angelehnt, entwickelte Sohl im Laufe der Jahre eine für ihn typische, unverwechselbare expressionistische Ausdrucksweise.”

Am 11. September 1969 stirbt Will Sohl in Heidelberg und wird auf dem Friedhof Ziegelhausen bestattet (Litera A 405-406). Leider wurde die Grabstätte vor kurzer Zeit aufgelöst, eine Gedenktafel an der Außenwand der Friedhofskapelle soll an den Künstler erinnern.

Der Verein überprüft zur Zeit Möglichkeiten, wie die letzte (authentische!) Ruhestätte des Künstlers wieder gekennzeichnet werden kann.


Der Nachlass von Will Sohl befindet sich in der Obhut von Projekt Nachlass-Stiftung für Mannheimer Künstler

Eine “kleine Werkschau” – leider teilweise nur in s/w – ist auf der Intersetseite von artnet zu sehen

Zwei Ausstellungen Zum 100. Geburtstag von Will Sohl zeigte die Stadt Heidelberg, das
Stadtblatt vom 2. August 2006 und das Stadtblatt vom 17. Januar 2007 berichteten.

Sein Sohn Pieter Sohl ist als freischaffender Künstler in Heidelberg tätig.

Eine Grünanlage beim Schwimmbad Köpfel trägt seit dem 24. Juni 2014 den Namen Will-Sohl-Anlage. Am Tag der Einweihung wurde auch eine Gedenkstele enthüllt, die sein Sohn Pieter geschaffen hat.


Joachim Lutz (1906-1954), Maler und Zeichner

Friedhof Ziegelhausen/alt - Kapelle - Gedenktafel für Joachim Lutz
Friedhof Ziegelhausen/alt - Gedenktafel für Joachim Lutz

Am 12. Januar 1906 wird Joachim Lutz in Höchst/a.M. geboren. Er ist der zweitälteste Sohn von fünf Kindern des Ingenieurs Hans Martin Lutz. Sein Großvater ist der Ratschreiber und Lokalbahndirektor Martin Lutz (1833-1913), eine als “Bähnlebauer” bekannte Persönlichkeit Mannheims.

Lutz wächst in Mannheim auf, erhält mit 14 Jahren Zeichenunterricht bei Theodor Schindler (1870-1950), der vor Kriegsausbruch an der Großherzoglich-Sächsischen Kunstschule in Weimar lehrte. Bald entsteht der erste Band mit Holzschnitten, Lutz widmet ihn seiner Mutter. 1924 verlässt Joachim Lutz das Mannheimer Gymnasium und geht nach Weimar, wird Schüler von Walter Klemm (1883-1957). 1925 geht Lutz für 6 Monate an die Kunstgewerbeschule Stuttgart.

Hier lernt Lutz den Schriftsteller und Alchemist Alexander von Bernus kennen. Bernus, ihm gehören zu der Zeit zwei Häuser in Stuttgart, verbrachte die Sommermonate mit Künstlern auf Stift Neuburg wo er aufwuchs und das er geerbt hat. Auch Lutz wird eingeladen und es entsteht eine Freundschaft. 1926 illustriert Lutz von Bernus Gedichtband “Stift Neuburg” mit 10 Holzschnitten und im selben Jahr werden die während der Stuttgarter Zeit entstandenen 12 Holzschnitte in dem Band “Waldenbuch auf den Fildern” veröffentlicht. Ab 1927 ist Lutz als Pressezeichner tätig und illustriert Bücher.


Von 1928-1930 ist Lutz mit einer Expeditionsgruppe durch Afrika als Wissenschaftlicher Zeichner unterwegs. Lutz dokumentiert für das “Forschungsinstitut für Kulturmorphologie” hauptsächlich prähistorische Felsbilder und porträtiert Einwohner, malt aber auch Landschaften.

Der Initiator und Leiter des Instituts ist Leo Frobenius (1873-1938). Ein Teil der Arbeiten (rund 250 Blätter) sind vom Frobenius Institut online gestellt (Joachim Lutz eingeben). Nach seiner Rückkehr wendet sich Lutz nun auch der Aquarellmalerei zu.

1936 zieht Lutz nach Ziegelhausen, wohnt und arbeitet in einem Haus unterhalb des Stift Neuburg. Kurze Zeit später zieht auch Will Sohl mit seiner Familie ein. Lutz übernimmt für ein Jahr die Leitung der Freien Akademie in Mannheim.

Joachim Lutz wird zum Kriegsdienst eingezogen, ist Kriegsberichterstatter für Zeitungen – hält seine Eindrücke in Zeichnungen fest.

Nach dem Krieg lebt Joachim Lutz mit seiner Mutter und der Familie Sohl weiter im Haus unterhalb des Stift Neuburg – als freier Maler und Grafiker. 1945 gründet Lutz mit Will Sohl die Heidelberger Künstlervereinigung “Freie Gruppe” (stellt z. B. vom 3.8. -23.8.1946 Werke von August Macke aus).

Am 17. Februar 1954 stirbt Joachim Lutz und wird auf dem Friedhof in Ziegelhausen bestattet. Seine Grabstätte wird nach der Ruhezeit irrtümlich aufgelöst. Nach intensiven Protesten wird zum Gedenken an den Maler 1979 eine Sandsteinplatte mit den Lebensdaten und dem Zusatz “Dem Zeichner der Landschaft am Neckar” in die östliche Wand der Friedhofskapelle eingelassen – ein zweiter Gedenkstein erinnert an Will Sohl, auch sein Grab wurde aufgelöst.


Hauptquelle: Führungsblatt zur Ausstellung “Joachim Lutz – Zeichner der Stille” vom 27.11.1988-28.02.1989 im Alten Rathaus Ziegelhausen (Veranstalter: Kurpfälzisches Museum in Zusammenarbeit mit dem Stadtteilverein Ziegelhausen).


Bei Reinhard Hoppe ist u. a. zu Joachim Lutz zu lesen:
“Hier (Ziegelhausen) lebte er inmitten der Landschaft, die ihm die liebste war und die er in ungezählten Aquarellen und Zeichnungen festhielt.” …
“Disziplin und Beschränkung in der Verwendung künstlerischer Mittel kennzeichnen sein Werk. In Landschaft und Porträt war er ein Meister der Umrisszeichnung. Das Erlebnis des Krieges hat er in vielen Aquarellen festgehalten. Aus seinen letzten Jahren stammen viele Holzschnitte, in denen er sich mit der Möglichkeit abstrakter Darstellung auseinander setzte. Nach seinem frühen Tod am 17. Februar 1954 kam sein Nachlass an das Kurpfälzische Museum in Heidelberg.” Reinhard Hoppe 1970, Seite 121;


Bildergalerie bei Wikimedia

Kunstwerk des Monats im Kurpfälzischen Museum

Rund 250 Blätter der Auftragsarbeit für das Frobenius Institut sind online gestellt (“Joachim Lutz” eingeben).

Auftragsarbeiten waren auch Portraits, zum Beispiel von Theodor Heuss (1884-1963) und Gustav Radbruch (1878-1949), Bild 33


Bestattungsplätze der Ziegelhäuser Einwohner vor 1599

Bis ins 18. Jh. besitzt Ziegelhausen außer einem 1477 erwähnten Heiligenhäusel beim Schönauer Ziegelhaus (nach 1500 findet es keine Erwähnung mehr) keine eigene Kirche. Die Reformierten werden von Neuenheim aus betreut, die Katholischen von Handschuhsheim aus. Die Einwohner gehen zu Gottesdienst in die Laurentiuskapelle (Gutleuthofkapelle) in Schlierbach, die 1430 in der Aue neben dem ehemaligen Gutleuthof oder Sondersiechenhaus gestiftet wurde (heute noch erhalten) oder ins Kloster Neuburg. So wurden die Toten, auf den Kirchhöfen der Nachbargemeinden bestattet. Bis im Jahr 1599 das Kloster Schönau den Ziegelhäusern eine Grabkapelle mit Glocke und dazu Land für einen Friedhof stiften.


Literatur / Quellen

Karl Christ
Chronik von Ziegelhausen und dem Centwald

Heidelberg 1923

Signatur Universitätsbibliothek Heidelberg: B 5288-6 B

Reinhard Hoppe
Dorfbuch der Gemeinde Ziegelhausen mit Ortsteil Peterstal

Heidelberg 1940

Signatur Universitätsbibliothek Heidelberg: B 5288-6-15

Reinhard Hoppe
750 Jahre Ziegelhausen
1220 - 1970

Heidelberg 1970

Signatur Universitätsbibliothek Heidelberg: 73 B 2786

Luise Kleemann
Die Waschereidörfer Ziegelhausen und Petersthal
Lesesaal Altstadt (f. gedr. Medien) Übergeordnet: Wilharm, K. Die Milchversorgung v. Hd.

Heidelberg 1905

Signatur Universitätsbibliothek Heidelberg: Diss Heid 1904/05,10::1-16

Stadtteilverein Ziegelhausen-Peterstal (Hrsg.)
Will Sohl - Am Fuße von Stift Neuburg
Aquarelle aus dem Nachlass des Künstlers; Studioausstellung im Heimatmuseum Ziegelhausen, 12.11.1989 – 18.03.1990; Redaktion: Helmut Holub, Ilse Rohnacher, Barbara Widmann;

Buchen-Walldürn 1989

Signatur Universitätsbibliothek Heidelberg: 90 S 2

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