Der Ehrenfriedhof

Die Einweihung 1934

Ehrenfriedhof, Teilansicht
Ehrenfriedhof - Teilansicht

Am Sonntag, den 28. Oktober 1934 um 21.30 Uhr findet die feierliche Einweihung des Ehrenfriedhofs statt. Die Überführung von 485 deutschen und 26 russischen Soldaten vom Zentralfriedhof erfolgt am 1. November, also an Allerheiligen, “in großer und feierlicher Form” wobei “die soldatische Form im Vordergrund stehen soll”. Einen Tag später, an Allerseelen, findet um 15.30 Uhr die kirchliche Einweihung des Ehrenfriedhofs statt.


Die Vorgeschichte

Die Vorgeschichte des Ehrenfriedhofs fällt in die Anfänge des 1. Weltkriegs. Der nur wenige Monate vor Beginn des ersten Weltkriegs in Teilen angelegte “Zentralfriedhof” sollte nach seiner Fertigstellung die überfüllten Stadtteilfriedhöfe Heidelbergs entlasten. Der Krieg bewirkt, dass nur ein Teil der Friedhofsanlage fertiggestellt wird und hier nur die in Heidelberger Lazaretten verstorbenen Soldaten in einem Teilbereich, der zur “würdigen Heldenstätte” umgestaltet wird, bestattet werden. Nach dem 1. Weltkrieg werden 78 Soldaten verschiedener Nationen und 4 deutsche Soldaten auf die heimatlichen Friedhöfe überführt und dort beigesetzt. Grundwasserprobleme durch den 1924 angelegten Neckarkanal machen eine Nutzung des Friedhofs unmöglich und die hier verbliebenen Soldaten sollen nun auch umgebettet werden.


Ein für einen Friedhof geeignetes Gelände für die Umbettung der Soldaten muss gefunden werden. Der Plan sieht allerdings mehr als die Anlage eines Soldatenfriedhofs vor. Es soll eine Anlage werden, die “einen weihevollen Eindruck macht und großen Versammlungen Raum bietet, vaterländische Gedenktage würdig zu begehen” so der Heidelberger Oberbaurat Fritz Haller, der das Projekt leitet, beratend begleitet von Prof. Paul Bonatz aus Stuttgart (es gab keine Ausschreibung). Erste Entwürfe wurden nach regen Diskussionen des Stadtrates abgelehnt.

1932 kann man sich einigen: der Ehrenfriedhof soll auf dem “Ameisenbuckel” oberhalb des Bergfriedhofs angelegt werden.


Die Friedhofsanlage von 1934

Ehrenfriedhof, Gedenkstein
Ehrenfriedhof - Gedenkstein

1933 beginnt man mit der Anlage des ersten Ehrenfriedhofs des “neuen, nationalsozialistischen Deutschlands”. Das Ergebnis ist eine streng symmetrisch, Nordwest/Südost, ausgerichtete Anlage mit einem über 250 Meter langen und 10 Meter breiten gekiesten Zugang.

Die eigentliche Anlage verfügt über einen großzügig angelegten Platz als Mittelachse, den man über zwei breite Treppenabsätze betritt. Der Platz wird seitlich von je 10 großen Sandsteinquadern begrenzt, die mit den Namen der Heidelberger Opfer des 1. Weltkriegs beschriftet sind. An den Begrenzungsmauern rechts und links des Zugangs sind weitere 8 Sandsteinquader mit Namensinschriften aufgestellt (insgesamt 2132 Namen).

Hinter den seitlich zur Mittelachse aufgestellten Sandsteinquadern, abgeteilt durch einen Rasenstreifen und Bäumen, befinden sich, in je 4 Reihen angelegt, die Gräber der vom Zentralfriedhof übergeführten Soldaten des 1. Weltkriegs. Jedes der Gräber wird durch ein Sandsteinkreuz mit eingehauenen Lebensdaten gekennzeichnet (520 Kreuze).


Gegenüber dem Zugang fällt der Blick auf einen stattlichen Steinquader, der auf einem flachen, mehrstufigen Podest ruht und als Altar interpretiert werden kann. Das einst in die Front eingehauene Hakenkreuz wurde nach dem 2. Weltkrieg entfernt. Heute ist auf der Stirnseite zu lesen “ZUM GEDENKEN AN DIE OPFER / VON KRIEGEN, GEWALT UND UNRECHT / IN ALLER WELT”. Hinter dem Steinquader bildet eine halbkreisförmige Mauer den Abschluss der Anlage im Nordwesten. Die Höhe der Begrenzung lässt einen weiten Blick ins Neckartal zu. Der Grundriss des Friedhofareals erinnert an eine einschiffige Kirche mit halbkreisförmiger Apsis.


Die Erweiterung des Ehrenfriedhofs nach dem 2. Weltkrieg

Ehrenfriedhof - Außenansicht des Ehrenmals
Ehrenfriedhof - Außenansicht des Ehrenmals

Am 9. August 1953 wehen die Fahnen auf halbmast, als der neue Teil des Ehrenfriedhofs eingeweiht wird – wie von Gartenbaudirektor Siepen gewünscht, “in einem schlichten, besinnlichen Rahmen”. Schon 1940 geplant, wird nach dem 2. Weltkrieg an der Umsetzung des Projektes “Ehrenfriedhofserweiterung” gearbeitet. Südwestlich der Anlage von 1934, links des Zugangsweges wird nach langen Verhandlungen bezüglich der Ausgestaltung, Beseitigung technischer Probleme und nicht zuletzt bezüglich der Finanzierung 1952 damit begonnen, das Waldgelände als Friedhof anzulegen und ein Ehrenmal zu errichten.


Federführend bei dem Projekt sind Gartenbaudirektor Siepen und der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. (Siepen ist Kreisgruppenvorsitzender der Kriegsgräberfürsorge). Als Grundlage dienen die 1946 eingeholten Pläne des Architekten Johann Daniel Thulesius. Der in Braunschweig wirkende Hochschulprofessor war im Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge in führender Position tätig und entwarf zahlreiche Ehrenfriedhöfe. Das Konzept für die Erweiterung des Heidelberger Ehrenfriedhofs sieht eine aufgelockerte Anordnung der Grabreihen auf dem weitgehend als Waldgelände beibehaltenen Areal vor und den Bau einer runden Gedenkhalle.


Die Gedenkhalle auf dem erweiterten Friedhofsgelände

Ehrenfriedhof - Ehrenmal (Detail)
Ehrenfriedhof - Ehrenmal (Detail)

Die kreisrund angelegte Gedenkhalle ohne Dach mit zwei sich gegenüberliegenden Durchgängen ist aus Sandstein gebaut und hat einen Durchmesser von 14,50 Meter, die Höhe der Wand beträgt 3,20 Meter. Das Ehrenmal erreicht man über einen Weg, der linker Hand vom breiten, gekiesten Zugang von 1934 abzweigt. Man betritt das Ehrenmal über einen der beiden Zugänge.

Im Innern der Gedenkhalle bilden eine über die Wand hinausragende große Sandsteintafel, die ein Relief des mit dem Drachen kämpfenden Erzengel Michael trägt, 14 Sandsteintafeln mit den Namen der auf dem Friedhof Ruhenden und die am oberen Rand der Wand als Relief herausgearbeiteten umlaufenden Worte, die den nicht heimgekehrten Heidelberger Soldaten gewidmet sind, eine Einheit zum Andenken an die Toten des 2. Weltkrieges. Die umlaufenden Worte stammen von Siegfried Goes, der 1943 in Russland fiel, ausgesucht wurde der Spruch von der Theologischen Fakultät der Universität Heidelberg (damaliger Dekan: Prof. Günther Bornkamm). Er lautet: :Alle, die gefallen im Meer und Land, sind gefallen Herr in Deine Hand. Alle, die kämpfen im weiten Feld, sind auf Deine Gnade gestellt. Alle, die weinen in dunkler Nacht, sind von Deiner Güte bewacht”. Und “ ( … ) in der Ferne gefallenen Heidelberger”, dazu die Jahreszahlen “1939” und “1945”. Das den Innenraum des Rundbaus beherrschende Relief des Erzengels Michael wurde nach einem Entwurf von Professor Etzold aus Braunschweig gestaltet. Die Arbeiten führte J. Reiners aus.


Die Grabstätten auf dem erweiterten Friedhofsgelände

Über den zweiten Durchgang betritt man den Friedhof. 180 Sandsteinkreuze sind überwiegend paarweise, aber auch einzeln, auf dem als Lichtung gestalteten Waldgelände verteilt aufgestellt. Die kreisförmig oder in Reihen angeordneten Gräber von mehr als 800 Opfern des 2. Weltkrieges, die hierher umgebettet wurden, sind mit kleinen Steintafeln gekennzeichnet. Auf diesen sind die Lebensdaten und die Grabnummer vermerkt. Einzig eine breite, als Weg angelegte Mittelachse verleiht dem Gelände optisch Struktur. Rechts und links des Weges befinden sich die Gräber, am Ende des Weges sind 3 große Sandsteinkreuze in das, den Friedhofsbebreich abgrenzende, Mäuerchen integriert.


Die Gedenktafeln auf dem erweiterten Friedhofsgelände

Nach der Einweihung des neuen Friedhofteils gibt es noch zahlreiche “Verbesserungsvorschläge”. Auch Prof. Thulesius brachte Vorschläge ein. Am 30.11.1960 ist im Tagblatt zu lesen, dass 6 prall gefüllte Aktendeckel im kleinen Rathaussaal auf dem Tisch von Gartenbaudirektor Siepen lagen. Seither wurden 3 Gedenktafeln angebracht.


Ehrenfriedhof, Bronzetafel (Gedenkhalle)
Ehrenfriedhof - Bronzetafel

1960 lässt die Kriegsgräberfürsorge eine Bronzetafel an der Außenwand der Gedenkhalle anbringen. Auf ihr ist zu lesen:

Schwerer noch wiegt vor der Trauer / als die Schönheit dieser Stätte / die Verlassenheit der Gräber / in der weiten Welt des Ostens + Stiller als hier unser Schweigen / ist es um zerbrochne Kreuze hoch von Unkraut überwuchert / hinter den verschlossnen Grenzen + Doch es wandern viele Fragen / und Gedanken hin nach Osten / sprich auch du in deinem Herzen / ein Gebet für jene Toten.


Am 2. Mai 1970 überreichen Mitglieder eines Französischen Kriegervereins aus Licourt-sur-Somme, anlässlich eines Besuchs in Heidelberg, eine Gedenktafel, die auf Veranlassung des Heidelberger Kriegervereins 1971 auf den Ehrenfriedhof gebracht und auf einem, neben der Gedenkhalle aufgestellten, Sandsteinsockel ihren Platz findet.

Die Gedenktafel trägt die Inschrift:
“POUR EUX / POUR LA PAIX / RESTONS UNIS / AMIS SOYONS LE / TOUJOURS”
Auf einer Tafel an der Stirnseite des Pultsteins ist die Übersetzung zu lesen:
“FÜR EUCH / FÜR DEN FRIEDEN / BLEIBEN WIR EINIG / SEIEN WIR FREUNDE / FÜR IMMER”
Auf einer zweiten an der Stirnseite angebrachten Tafel steht zu lesen:
GEMEINDE LICOURT-SOMME / DEN KAMERADEN DES I. R. 110 / HEIDELBERG, 2. MAI 1970

Eine 2. Tafel mit Bezug zum Infanterie-Regiment 110 wird 1985 an der Außenwand der Gedenkhalle angebracht.


Spätere Generationen

Ehrenfriedhof, Teilansicht
Ehrenfriedhof - Teilansicht

Heute sind die Ehrenfriedhöfe neben Gedenkstätten für die Opfer der Kriege Orte, die mahnen, nie wieder Krieg zu führen. Es liegt in der Hand der Nachkriegsgenerationen durch Toleranz und Völkerverständigung dafür zu sorgen, dass diese Friedhöfe keiner Erweiterung mehr bedürfen!


Literatur / Quellen

Sabine Juschka, Walter Stephan Laux
Die Ehrenfriedhöfe der Stadt Heidelberg auf dem Ameisenbuckel, S. 84-93

in: Heidelberger Denkmäler 1788-1981, Neue Hefte zur Stadtentwicklung und Stadtgeschichte - Heft 2/1982 (Hrsg. für die Stadt Heidelberg: Dr. Günter Heinemann); Von einem Autorenkollektiv am Kunsthistorischen Institut der Universität Heidelberg (Leitung: Dietrich Schubert)

Heidelberg 1982

Signatur Universitätsbibliothek Heidelberg: 83 A 2461

Der Friedhofswegweiser - Diesseits und Jenseits
Regionalausgabe Heidelberg

2. Ausgabe, Leipzig 2012

Herausgeber und Redaktion: MAMMUT-VERLAG

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