Die Heidelberger Friedhöfe als steinerne Geschichtsbücher der Stadt

Die letzte Adresse vieler wichtiger Persönlichkeiten und ihre Besucher

Bergfriedhof, Litera V neu 84-85 - Ebert
Bergfriedhof, Grabstätte von Friedrich Ebert (1871-1925), erster frei gewählter deutscher Reichspräsident und großer Sohn Heidelbergs

Die Friedhöfe Heidelbergs erzählen auf sehr persönliche Weise etwas über die Menschen, die hier gelebt haben und über die Menschen, die das Andenken an sie bewahren.

Da gibt es die Grabanlagen berühmter Naturwissenschaftler, die an der Heidelberger Universität gelehrt und geforscht haben, ebenso Geisteswissenschaftler deren wissenschaftlichen Arbeiten weit über Deutschlands Grenzen hinaus gelesen und anerkannt wurden und werden, vieler Mediziner, deren Erkenntnisse und Behandlungsmethoden Leben retten, Architekten und Künstler, die das Stadtbild mitgestaltet haben, Juristen, Politiker, Stadtväter, Persönlichkeiten aus der Industrie und dem Handel, und, und, und …


Wer sich auf dem Heidelberger Bergfriedhof auf einen Spaziergang in die Vergangenheit einlässt, wird an Robert Wilhelm Bunsens Grab (1811-1899) vermutlich an seine Schulzeit erinnert, der Name Felix Wankel (1902-1988) lasst ihn vielleicht über die Entwicklungsgeschichte des Automobils nachdenken und wer sich in der Medizin auskennt wird beim Lesen des Namens Wilhelm Erb (1840-1921) an den, mittels eines Hämmerchens hervorgerufenen, Kniesehnenreflex beim Kinderarzt erinnert, eine von Erb entwickelte Methode.

Und Friedrich Ebert (1871-1925), der erste frei gewählte deutsche Reichspräsident und große Sohn Heidelbergs, fand auf eigenen Wunsch seine letzte Ruhestätte auf dem Bergfriedhof.


Bergfriedhof, Litera V neu 126-129 - Bunsen
Bergfriedhof, Grabstätte Bunsen

Viele hundert Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, die auf Heidelberger Friedhöfen bestattet sind, haben Wichtiges geleistet und uns so ein Vermächtnis hinterlassen, das wir nutzen und auf das wir aufbauen. Dafür Sorge zu tragen, dass Ihre letzte Ruhestätte gepflegt und erhalten wird, bezeugt Dankbarkeit und den Wunsch, sie in lebendiger Erinnerung zu behalten.

Die Kommunen verfügen über immer weniger Mittel, was auf den Friedhöfen meist mit als erstes zu erkennen ist. Der Erhalt und die Pflege historischer Grabanlagen – auch die verdienter Persönlichkeiten – ist in befriedigendem Maße heute nur durch die Unterstützung der Bürgerinnen und Bürger möglich. Zum Beispiel Spenden an den Verein für die Instandsetzung von Grabmalen oder die Übernahme einer Grabpatenschaft können sehr helfen.


Der Friedhof als außergewöhnliche Visitenkarte

Bergfriedhof, Litera V
Bergfriedhof Heidelberg

Der erste, eher entspannte und neugierige Besuch eines geschichtsträchtigen Friedhofs findet manchmal sogar in der Fremde statt. Hier ist der erste Eindruck mit dem Überreichen einer Visitenkarte zu vergleichen und bestenfalls möchte man mehr über den Ort wissen, über die Menschen und die Geschichte der Stadt um sie mit den Namen auf den Grabsteinen zu verknüpfen. Und es macht Freude, auf buchstäblich überschaubare Weise die kunstgeschichtliche Entwicklung anhand der historischen Grabanlagen nachzuvollziehen. Über diesen Umweg gelangt man dann zum Friedhof der eigenen Gemeinde.


Die Friedhöfe Heidelbergs werden, wenn man Interesse an den historischen Aspekten hat und/oder sich am alten Baumbestand und der reichen Fauna und Flora erfreut, zu einem Ort, wo man zur Ruhe kommt und seinen Gedanken nachgehen kann. Bald wird man seine Lieblingsbank gefunden haben.

Vielleicht sind auf dem Friedhof einem nahe stehende Menschen beerdigt. Wer den Friedhof auch als einen Ort in der Natur sieht, der zum Verweilen einlädt, wird stolz sein, seine Lieben hier beerdigt zu wissen und sich wünschen, dass alles getan wird, um die gewachsenen Strukturen des Friedhofs mit seinen historischen Grabanlagen zu erhalten und zu pflegen.


Säuren fressen Steine auf

Bergfriedhof, Litera D 74-77
Bergfriedhof, Grabmale aus Sandstein

Durch zunehmende Luftverschmutzung werden heute mit dem Regenwasser eine ganze Reihe von Schadstoffen in den Stein eingebracht die dann z.B. durch Bildung von bauschädlichen Salzen den Zerstörungsprozess des Steins bewirken (chemische Korrosion von Baustoffen).

Auch die Grabdenkmale auf den Heidelberger Friedhöfen, viele aus besonders anfälligem Sandstein, sind vom Steinfraß bedroht oder schon zum Teil unwiederbringlich zerstört. Hier ist dringend Hilfe notwendig.


Bemühungen zur Substanzsicherung von Grabdenkmalen

Bergfriedhof, Litera C 282-285 - Schulze-Gaevernitz
Bergfriedhof, Grabmal aus Sandstein mit Bronzemedaillons

Natursteine sind Naturprodukte in verschiedenster Ausbildung. Natürliche Verwitterung geschieht im Wesentlichen durch Wasser und Schadstoffaufnahme. Die Zusammensetzung des Steins ist letztlich für die Witterungsbeständigkeit verantwortlich, Sandstein zum Beispiel ist besonders anfällig. Um dem Verwitterungsprozess zu begegnen, wendet man verschiedene Methoden an.

Am schonendsten ist das Abwaschen mittels Wasser (mit oder ohne Druck, Dampf und dgl.). Daneben kommen chemische Mittel zum Einsatz. Welche Mittel das im Einzelfall sind, hängt von der jeweiligen Beschaffenheit des Steines und der Verschmutzung ab.


Wichtig ist also, Schmutz und Schadstoffe mit geringstmöglichem Aufwand optimal zu entfernen und dabei den Stein nicht zu schädigen. Diese Arbeiten müssen in die Hände eines speziell geschulten Fachmanns gelegt werden, bei unsachgemäßer Behandlung kann der Stein sonst irreparablen Schaden nehmen.

Besonders bei Weichgestein, wie Sandstein, ist manchmal anschließend eine behutsame Konservierung durch Härtung und Hydrophobierung (wasserabweisend machen) der Grabmalsubstanz durch den Fachmann nötig, will man das Grabdenkmal erhalten.


Bergfriedhof, Litera D 348-349 - Voss
Bergfriedhof, Grabstätte Voß

Das Grabdenkmal in seinem jeweiligen Zustand zu erhalten, also den Verwitterungsprozess zu bremsen und die historisch bedingten Alterungsspuren zu konservieren, sollte dem Restaurieren im Regelfall vorgezogen werden. Wenn nötig, sollten bescheidene Ergänzungen durch den Fachmann genügen.

In Einzelfällen kann der Grabstein nur noch gerettet werden, indem man ihn der Witterung entzieht, also in einem Gebäude deponiert. Eine werkgetreue Kopie kann den Stein auf der Grabanlage ersetzen.

Auf dem Heidelberger Bergfriedhof geschah dies mit dem Grabstein der Familie Voß (Johann Heinrich Voß, 1751-1826, hat u.a. die Werke Homers ins Deutsche übertragen).


Erhaltungsmaßnahmen auf Heidelberger Friedhöfen sind dringend erforderlich

Bergfriedhof, Litera Z 247-248
Bergfriedhof, Galvanoplastik

Mitte der 80er Jahre wurden erhaltenswerte Grabstätten und Grabmale auf Heidelberger Friedhöfen in einer Liste erfasst, die seit einigen Jahren aktualisiert und ergänzt wird. Bei einem Teil der schützenswerten Grabanlagen ist das Nutzungsrecht abgelaufen und wurde nicht verlängert, Erhalt und Pflege liegen somit in städtischer Hand.

Bei vielen dieser Grabanlagen kann eine Grabpatenschaft übernommen werden – unter der Bedingung, dass sich der Pate vertraglich verpflichtet, Erhalt und Pflege zu übernehmen. In den meisten Fällen kann später das Nutzungsrecht an der Grabstelle erworben werden, die historische Grabanlage wird so zur eigenen Familiengrabstätte.


Bei Grabanlagen, die nicht für eine Grabpatenschaft vorgesehen sind und dringender Erhaltungsmaßnahmen bedürfen, hilft der Verein VIA MONUMENTUM – Denkmalpflege Heidelberger Friedhöfe e. V. – soweit es die Mittel erlauben (Mitgliedsbeiträge und Spendengelder).

In den vergangenen Jahren konnte der Verein jeweils die Instandsetzung eines Grabmals in Auftrag geben. Und auch dieses Jahr wird der Verein die Instandsetzung eines historischen Grabmals finanzieren (siehe dazu Projekte).