Mina Tobler

Mina Tobler (24. Juni 1880 in Zürich – 5. Januar 1967 in Heidelberg) war eine Schweizer Pianistin und Klavierlehrerin. Ihr Name ist eng verbunden mit dem Leben und Werk des Soziologen Max Weber.

Mina Tobler war das vierte und jüngste Kind des Gymnasialprofessors Johann Ludwig Tobler und dessen Gattin Henriette. Das Ehepaar hatte 1873 in Zürich eine Privatschule gegründet und bis 1892 geleitet. Nach dem Verkauf der Schule konnte diese wieder der Schwiegersohn Hans Ott zurückerwerben und mit einer Schwester von Mina Tobler weiterführen. Sie selbst erhielt von 1901 bis 1905 an den Konservatorien von Leipzig, Zürich und Brüssel eine Ausbildung als Pianistin und als Liedbegleiterin am Klavier.

Nachdem ihr Bruder Ludwig Tobler (1877-1915) Assistenzarzt an der Universitäts-Kinderklinik in Heidelberg geworden war, zog sie ebenfalls dorthin. Sie machte sich mit 25 Jahren als Klavierlehrerin selbständig. Ihr Bruder führte sie in die akademischen Kreise von Heidelberg ein, wo sie Liederabende unter anderem im Hause des Wirtschaftshistorikers Eberhard Gothein gab. Der Schweizer Philosophieprofessor Emil Lask machte Mina Tobler am 13. Juni 1909 mit Max und Marianne Weber bekannt, zu dieser Zeit war Marianne Weber in Lask auf platonische Weise verliebt. Durch ihr sympathisches und gewinnendes Wesen gehörte Mina Tobler schon bald dem engsten Freundeskreis der Webers an.

Im August 1912, nach dem gemeinsamen Besuch von Max, Marianne und Mina bei Richard Wagners Oper Tristan und Isolde in München, ging Max Weber mit Mina Tobler ein intensives Liebesverhältnis ein – mit Wissen und Billigung von Marianne Weber, die nie ihre Stellung als Ehegattin gefährdet sah. „Tobelchen“ oder auch „Tobelkind“, wie sie im Hause Weber hieß, „war anders als Else [Jaffé] für Weber keine Herrin, sondern eine Jüngerin und Kindfrau.“ (Radkau 2005, 565) Nach vielen Jahren der Depression und einer sehr eingeschränkten Arbeitsfähigkeit gewann Webers Arbeitskraft gewaltige und eruptive Ausmaße. Weber schrieb in diesen Jahren für sein Hauptwerk „Wirtschaft und Gesellschaft“ etwa 1000 Seiten und begründete die „vergleichende Religionssoziologie“. (Lepsius 2004, 84) Außerdem inspirierte sie ihn zu einer sehr tiefgreifenden Untersuchung zur Musiksoziologie, die erst in jüngster Zeit als beispielhafte und bisher beispiellose Darstellung der Rationalisierung eines Lebensbereichs („Wertsphäre“) gewürdigt wurde.

Am 15. März 1919 trennte sich Weber brieflich von Mina Tobler, nachdem er einen Ruf an die Münchner Universität angenommen hatte und mit Else Jaffé wieder eine Bindung eingegangen war. Nach Webers frühem Tod im Juni 1920 blieben die drei Frauen Webers in sehr freundschaftlicher Weise miteinander in Heidelberg verbunden.

Mina Tobler und Else Jaffé verbrachten ihren Lebensabend gemeinsam im selben Wohnheim. In Anlehnung an Marianne von Willemers Ausspruch „Mich hat Goethe geliebt“ pflegte sie zu sagen „Mich hat Weber geliebt“ und begründete damit auch, warum sie nach Weber keine Ehe mehr eingegangen war.

Grabstelle: Litera V neu, 257-259


Grabanlage Tobler, Litera V 257-259 Grabanlage Tobler, Litera V 257-259 Grabanlage Tobler, Litera V 257-259 Grabanlage Tobler, Litera V 257-259

Literatur
M. Rainer Lepsius: Mina Tobler, die Freundin Max Webers. In: Bärbel Meurer (Hrsg.): Marianne Weber. Beiträge zu Werk und Person. Mohr Siebeck, Tübingen 2004, ISBN 3-16-148162-3, S. 77 – 89.

Joachim Radkau: Max Weber. Die Leidenschaft des Denkens. Hanser, München 2005, ISBN 3-446-20675-2.