Projekte des Vereins

Instandsetzung und Rückführung von historischen Grabmalen auf den Heidelberger Friedhöfen

Dank der Mitgliedsbeiträge, der Spendengelder und den sehr großzügigen Spenden der ausführenden Bildhauerwerkstätten Walter Girmann und Sven Hoffmann, konnte der Verein VIA MONUMENTUM – Denkmalpflege Heidelberger Friedhöfe e. V. in den vergangenen Jahren, in Absprache und mit Unterstützung der Friedhofsverwaltung der Stadt Heidelberg, jeweils die Instandsetzung oder die Rückführung eines Grabdenkmals in Auftrag geben.


2016 - Abschließende Arbeiten am Grabdenkmal a. d. Neuenheimer Friedhof

Das kunsthistorisch wertvolle Grabmal der Familie Schröder, wichtiger Zeitzeuge der Friedhofs- und Gemeindegeschichte Heidelberg-Neuenheims, war vom Zerfall bedroht. 2016 konnten die im Vorjahr begonnenen Erhaltungsmaßnahmen abgeschlossen werden. Die Arbeiten führte der Steinmetz- u. Bildhauermeister Sven Hoffmann durch. Die Gesamtkosten von rund 10.400,00 EUR teilten sich der Verein und die Friedhofsverwaltung der Stadt Heidelberg. Die Firma Sven Hoffmann hat den Verein wieder mit einer sehr großzügigen Spende unterstützt.


Friedhof Neuenheim - Litera A 35-39 - Familie Schröder

Da die Familie Schröder gläubige Protestanten waren, stellt das aus Sandstein gefertigte Grabdenkmal in der Vorderansicht vermutlich als Basis einen Altar dar, der Mittelteil mit den drei vertieft eingesetzten Schrifttafeln aus weißem Marmor erinnert an ein Triptychon, den Abschluss bildet ein, auf einem hohen Gebälk ruhender, rundbogiger Aufsatz mit Urne. Die aufwendige Architektur und die üppig verwendeten Schmuckelemente sind ein eindrucksvolles Beispiel, wie in der Zeit des Späthistorismus Formen und Symbole verschiedener Epochen frei miteinander kombiniert wurden. Aufgrund seiner Maße, 300 cm hoch, 210 cm breit und 60 cm tief, handelt es sich um ein Wandgrabmal, dass hier frei aufgestellt ist, da die hinter der Grabanlage verlaufende Friedhofsbegrenzung aus einer Heck besteht und nicht aus einer Mauer, in die das Grabmal hätte integriert werden können. Es trägt die Signatur „J. Bechtel“.

Eine ausführliche Dokumentation zu den Arbeiten und eine detaillierte Beschreibung zum Grabdenkmal wird zurzeit erstellt.


2015 - Instandsetzung eines historischen Grabmals a. d. Neuenheimer Friedhof

Man schreibt das Jahr 1876 als der Neuenheimer Friedhof feierlich eingeweiht wird. Die Eingemeindung zu Heidelberg im Jahre 1891 führt dazu, dass der Stadtteil schnell wächst und die Häuser das Friedhofsgelände Anfang des 20. Jahrhunderts umschließen und der Gottesacker nicht mehr erweitert werden kann. Aufgrund der Platznot werden auch als Zeitzeugen wichtige Grabanlagen abgeräumt und gehen uns so für immer verloren. Ende des 20. Jahrhunderts entspannt sich die Lage wieder und nun wird eine Liste mit „erhaltenswerten Grabanlagen“ erstellt. In der Liste ist auch die letzte Ruhestätte der Familie Schröder, ehemalige Besitzer des Mönchhofs, aufgeführt und uns so erhalten geblieben. Das Grabdenkmal muss aber dringend instandgesetzt werden.

Der Restaurator Sven Hoffmann hat die Schäden in einem Maßnahmenkatalog erfasst und 2015 folgende, als sehr dringend eingestufte Arbeiten durchgeführt: Mechanische und chemische Entfernung des Efeus am Stein, Ausbau der mittlerweile losen Urne aus Sandstein (sie wird bis zur Restaurierung im Atelier gelagert), Hinterkleben der Schalenbildungen (damit der Sandstein nicht weiter reißt) und Verschließen der Risse am Stein. Bei der Finanzierung der Arbeiten hat uns die Steinmetzfirma Sven Hoffmann wieder mit einer sehr großzügigen Spende unterstützt!

2016 sollen die Sandsteinurne, die Basis, die Profilierungen und die Ornamentik restauriert werden. Wegen der finanziellen Dimension wird die Stadt Heidelberg einen Teil der Kosten übernehmen. Ein weiterer Teil soll über einen besonderen Spendenaufruf eingeworben werden.



Friedhof Neuenheim - Litera A 35-39 - Familie Schröder
Grabstätte der Familie Schröder, Friedhof Neuenheim. Zustand der Grabanlage nach Entfernen des Efeus usw..

Johann Georg Schröder (1840-1902) und Anna Marie Schröder, geb. Pfisterer (1843-1901)

Johann Georg Schröder und seine Ehefrau Anna Marie kommen als Besitzer des Mönchhofs durch den Verkauf zugehöriger Äcker als Bauland zu Reichtum. Besonders nach der Eingemeindung Neuenheims nach Heidelberg ist die Nachfrage groß. Für das Anlegen des Neuenheimer Friedhofs im Langgewann verkauft das Ehepaar Schröder im Jahre 1874 das nötige Land an die Gemeinde. Auch das Land für die Friedhofserweiterung 1897 stammt von ihnen. 36 Ar haben sie der Gemeinde Heidelberg geschenkt. In der Chronik der Stadt Heidelberg des Jahres 1902 ist im Nachruf auf Johann Georg Schröder zu lesen:

„Landwirt Johann Georg Schröder, der Besitzer des Mönchhofs ist im öffentlichen Leben nie hervorgetreten, wenn er auch Mitglied des evangelischen Kirchengemeinderats in Neuenheim und Ehrenmitglied verschiedener Vereine gewesen ist; doch hat er sich durch wohltätige Stiftungen um seine Gemeinde verdient gemacht.“


2014 - Instandsetzung von drei Liegesteinen vom ehemaligen St. Annafriedhof

Der St.-Annafriedhof in der Plöck wird im 19. Jahrhundert aufgelassen und überbaut. Einige Grabzeichen werden gerettet. Heute haben sie auf dem Bergfriedhof an repräsentativer Stelle ihren neuen Platz: den großzügigen Freiflächen im Bereich des einstigen Haupteingangs. Das „Freilichtmuseum“ trägt den Namen Annaplatz.

Die ehemals auf dem St. Annafriedhof die Grabstätten von Gerhard Kiesendahl (?), Anna Hedwig Wilhelmine Reichsgräfin von Bothmer (1774-1837) und der Familien Luels/Pastoir bezeichnenden Liegesteine haben witterungsbedingt gelitten und wurden instandgesetzt. Die Moose wurden entfernt, eine Fungizidbehandlung durchgeführt und die Oberfläche im Niederdruckverfahren gereinigt. Anschließend wurden die Liegesteine imprägniert. Die fachmännische Ausführung der Arbeiten übernahm die Steinmetzfirma Sven Hoffmann, die uns bei der Finanzierung wieder mit einer großzügigen Spende unterstützt hat.

Eine weitere wichtige Maßnahme betraf die Trockenlegung der Liegesteine. In bewährter Zusammenarbeit haben Mitarbeiter der Friedhofsverwaltung diese Aufgabe übernommen.


2013 - Rückführung des historischen Grabmals auf das Grab von F. C. Schlosser

Der “Neue Friedhof an der Steige”, heute Heidelberger Bergfriedhof, wird 1844 seiner Bestimmung übergeben. Nach den Plänen des Gartendirektors Johann Metzger (1789-1852) ist eine Naturschönheit entstanden. Das hügelige Gelände am Fuße eines Weinberges ist, für die damalige Zeit ganz ungewöhnlich, als Landschaftsgarten gestaltet worden. Von verschlungenen Wegen eingefasst, füllen sich die Areale mit Grabreihen, die Grabzeichen sind vergänglich.

Direkt am Wegesrand entstehen großzügige Grabanlagen, die “Kaufgräber”. Die Plätze vor der Hecke, die das damalige Friedhofsgelände begrenzt, sind besonders begehrt. Entlang der südlichen Grenze werden um 1860 die ersten Grabstellen vergeben. Als Friedrich Christoph Schlosser, Historiker und Ehrenbürger der Stadt Heidelberg, 1861 stirbt, wird er hier beerdigt. Ein eindrucksvolles Grabdenkmal soll an ihn erinnern.


F. C. Schlossers Grabmal, nach Abräumen seiner Grabstätte mit weiteren Grabmalen am Rande von Litera H aufgestellt.

Wenige dieser letzten Ruhestätten aus der Anfangszeit des Gottesackers sind uns erhalten geblieben. Die meisten Anlagen, einst “auf ewig” erworben, wurden abgeräumt, denn es herrschte, trotz mehrmaligem Zukauf von Gelände, bis Mitte der 1990er Jahre Platzmangel.

Glücklicherweise bleiben einige der abgeräumten Grabdenkmale erhalten, darunter auch das von Friedrich Christoph Schlosser. Es wird 1982 mit weiteren Grabmalen am Rande von Litera H im Bereich des Anna-Platzes aufgestellt.


Platzmangel auf dem Heidelberger Bergfriedhof gehört heute der Vergangenheit an. Diesem Umstand ist es zu verdanken, dass das Grabmal Schlossers wieder seine letzte Ruhestätte in Litera C 37-38 kennzeichnet.

Schweres Gerät ist notwendig, um die mächtige, fast drei Meter hohe Stele zu versetzen. Ausgeführt werden die Arbeiten von der Steinmetzfirma Sven Hoffmann, die uns auch bei der Finanzierung mit einer großzügigen Spende unterstützt hat.

In bewährter Zusammenarbeit übernehmen nach der Versetzung des Grabdenkmals Mitarbeiter der Friedhofsverwaltung das Einfassen und das Bepflanzen der historischen Grabanlage.



Friedrich Christoph Schlosser (1776-1861), Professor der Geschichte und Bestsellerautor

F. C. Schlosser, am 17.11.1776 in Jever geboren, studiert in Göttingen Theologie, Klassische Philologie und Staatswissenschaften. 1817 wird Schlosser als Geschichtsprofessor an die Heidelberger Universität berufen, wird auch Direktor der Universitätsbibliothek. Seine Lehrtätigkeit übt Schlosser nachweislich bis 1852 aus. Dem Lehrkörper gehört er bis zu seinem Tode am 23.09.1861 an.

Besonders Schlossers Werke „Geschichte d. 18. Jhds. u. des 19. bis zum Sturz des franz. Kaiserreichs“ (7 Bde., 1836–48; 1. Fassung in 2 Bdn., 1823) und „Weltgeschichte für das deutsche Volk“ (19 Bde., 1844–57; 27 Auflagen) werden zu Bestsellern. Für Schlosser steht nicht die Quellenforschung im Vordergrund, er beurteilt subjektiv in seinen Schriften die geschichtlichen Ereignisse und Personen. Die durch seine Lebenserfahrung gewonnenen ethisch-moralischen Ansprüche sind dabei Richtschnur. So stellt er aus seiner Sicht die politischen und sozialen Missstände des Feudalsystems rücksichtslos dar, was in der Zeit des Vormärzes (1815-1848) von einem breiten Publikum begeistert aufgenommen wird.

Seine Ehe bleibt kinderlos. Seine Frau Louise stirbt 1862 und wird neben ihm beigesetzt.
Die Stadt Heidelberg ehrt ihren populären Geschichtsschreiber 1852 mit der Ehrenbürgerschaft.


2012 - Instandsetzung des historischen Grabmals von A. F. J. Thibaut

Wie schon im vergangenen Jahr, geht es auch 2012 um die Grabanlage von Anton Friedrich Justus Thibaut (Litera D 350-351). In bewährter Teamarbeit kann die Rekonstruktion der letzten (authentischen!) Ruhestätte Thibauts zum Abschluss gebracht werden.


VIA MONUMENTUM e.V. hat die dringend notwendige Instandsetzung des Grabmals in Auftrag gegeben, Herrn Girmann (Bildhauerwerkstatt Design in Stein) führte die Arbeiten aus und die Friedhofsverwaltung der Stadt Heidelberg übernahm das Einfassen der Grabanlage und das Bepflanzen der Grabfläche.

Die später am Sockel des Grabmals angebrachte Inschrifttafel aus weißem Marmor wurde nicht entfernt, da sich die Originalbeschriftung im Grabstein sehr wahrscheinlich nicht erhalten hat. So zeigt uns nur das Foto in einem Buch von 1929, wie das Grabmal einst ausgesehen hat (Ernst Mushake, Die Friedhöfe in Heidelberg, Abb. S. IV). Dies ist ein Beispiel dafür, wie wichtig bei der Denkmalpflege die Überlieferung durch Fotodokumentation ist – besonders da, wo sich der “Zahn der Zeit” nicht gänzlich aufhalten lässt.

Für die wiederhergestellte Grabanlage von Anton Friedrich Justus Thibaut ist die Friedhofsverwaltung der Stadt Heidelberg verantwortlich – Pflege und Instandhaltung übernehmen die städtischen Mitarbeiter.


2011 - Rückführung des historischen Grabmals auf das Grab Thibauts

Die letzte Ruhestätte von Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens müssen als Orte der Erinnerung erhalten bleiben und gepflegt werden. Deshalb hat der Verein VIA MONUMENTUM e.V. im Jahr 2011 einem Grabmal seine ursprüngliche Funktion wiedergegeben. Hier die ganze Geschichte:


Die letzte Ruhestätte von Anton Friedrich Justus Thibaut (1772-1840) – ein Beispiel der Rückbesinnung auf eine wichtige Art der Wertschätzung


Thibauts Grabmal auf dem "Sammelplatz"
Thibauts Grabmal - mit zwei weiteren Grabmalen - am Wegesrand

Im November 1875 werden die Gebeine des 1840 verstorbenen Rechtsgelehrten, Musikers und Ehrenbürgers der Stadt Heidelberg, Anton Friedrich Justus Thibaut vom vor Jahren geschlossenen Heidelberger St.-Annafriedhof auf den Bergfriedhof umgebettet, er erhält im Bereich des “Professorenwegs” endgültig seine letzte Ruhestätte (Litera D 350-351). 1961 wird das Nutzungsrecht nicht verlängert und deshalb die Grabstelle neu vergeben.

Das Grabmal Thibauts wird am Rande von Litera L aufgestellt, die Original-Inschrift ist jetzt durch eine neu angebrachte Marmortafel verdeckt. Ein zweites, ähnlich gestaltetes Grabmal für seinen Sohn Carl Ernst (1807-1881) und seinen Enkel Ernst Friedrich (1850-1886), wurde nicht erhalten. Ende der 80erJahre versetzt man das Grabmal erneut, es wird am Wegesrand in der Nähe der Ruhestätte Thibauts einbetoniert.


Einzig Bodendecker zieren 2011 die letzte Ruhestätte Thibauts und so wird im Oktober vom Verein die Versetzung des Grabmals auf seinen ursprünglichen Platz in Auftrag gegeben. Nach einem halben Jahrhundert wird das Denkmal endlich wieder zum Grabzeichen. Dank der guten Zusammenarbeit mit der Stadt Heidelberg wird im Frühjahr 2012 durch Mitarbeiter der Friedhofsverwaltung die Grabanlage eingefasst und bepflanzt. Sie steht nun unter städtischer Obhut.

Wenn wir das Grab Thibauts erhalten und pflegen, zeigen wir unsere Wertschätzung auf besondere Weise, können auf diesem Wege sein Wirken in ehrendem Gedenken bewahren und jederzeit seine letzte Ruhestätte besuchen. Der Historiker Herbert Derwein (1891-1963) schrieb*: ““Ewig“ und “immer“ sind in der Geschichte des Friedhofswesens Worte, bei denen schon die nächste Generation oft schmerzlich über das Zeitpathos der vorhergehenden lächelt!“ Dem müssen wir entgegenwirken.


*Vom Heidelberger Begräbniswesen in früherer Zeit, in: Kurpfälzer Jahrbuch 1930, S. 54-68 ;



Bergfriedhof, Litera D 350-351 - Thibaut
Grabmal Thibauts nach der Rückführung auf sein Grab

Anton Friedrich Justus Thibaut (1772-1840), Rechtsgelehrter und Musiker

Thibaut studiert Rechtswissenschaften u. Philosophie. Nach Professuren in Kiel und Jena (hier lernt er Goethe, Schiller und J. H. Voß kennen) lehrt Thibaut ab 1805 als o. Professor an der Juristischen Fakultät in Heidelberg Zivil- und Kriminalrecht sowie Römische Rechtsgeschichte. Thibaut ist einer der bedeutendsten deutschen Juristen seiner Zeit. Von seinen zahlreichen Veröffentlichungen erfährt sein Hauptwerk “System des Pandekten-Rechts, Jena 1803, 2 Bd.” 9 Auflagen.

Auch auf dem Gebiet der Musik erwirbt sich Thibaut große Verdienste. Seine Chorproben, in denen alte Kirchenmusik gepflegt wird, sind legendär und seine Schrift “Über Reinheit der Tonkunst” liefert einen wichtigen Beitrag zur zeitgenössischen Diskussion (letzte Auflage als Taschenbuch 2010). Zu seinen Freunden zählen Schuhmann und Mendelssohn-Bartholdy.

Rufe anderer Universitäten lehnt Thibaut stets ab, er bleibt bis zu seinem Tod am 28. März 1840 Heidelberg treu. Die Heidelberger dankten es ihm 1829 mit der Ehrenbürgerschaft.


2010 - Instandsetzung des historischen Grabmals der Künstlerfamilie Schäfer

Bergfriedhof, Litera K 638-640
Grabstätte Schäfer, vor Errichten der Trockenmauer und Instandsetzen des Grabmals

In Zusammenarbeit mit der Friedhofsverwaltung wird 2010 das Grabdenkmal des Künstlerehepaars Carl und Apollonia Schäfer instandgesetzt (Carl Schäfer 1870-1946, Apollonia Schäfer 1872-1961). Bergfriedhof, Litera K 638-640

Das Grabdenkmal aus Sandstein wurde jahrelang stark durchfeuchtet, weil es den dahinter liegenden Hang vor dem Abrutschen sicherte. Deshalb setzten Mitarbeiter des Landschafts- und Forstamtes der Stadt Heidelberg eine Trockenmauer, die sich vortrefflich in die Umgebung einfügt und der Verein gab anschließend die Instandsetzung des Grabdenkmals in Auftrag.


Die vor Jahren entfernte Grabeinfassung wurde nicht wieder angelegt, das Grabmal hat so viel Raum auf dem von weitem sichtbaren Platz und kann auch von ganz nah betrachtet werden.

Besonders die symbolisch dargestellten Kontinente Nordamerika, Europa, Asien und Afrika sind bemerkenswert, sie erzählen von den Tourneen des Künstlerpaars Carl und Apollonia Schäfer, mit der weltweit erfolgreichen “Schäfers-Künstlertruppe-Liliput”. Die Quellen zu Carl Schäfer als Impresario stellen sich etwas widersprüchlich dar, hier werden wir weiter forschen um die ganze Geschichte erzählen zu können. In das Grabmal ist folgender Spruch eingehauen:

“Beendet die Reise im Erdenkreis, ruh'n wir hier aus – endlich zuhaus”


Das Grabdenkmal schuf der Heidelberger Bildhauer und Restaurator Hans Fries (1872-1955). Seine Grabstätte befindet sich auch auf dem Bergfriedhof – schön, wenn sie eine Patin oder ein Pate in Obhut nehmen würde (Litera Q 1-3).


2009 - Instandsetzung des historischen Grabmals des Astronomen Brünnow

Bergfriedhof - Litera O hinter 12a
Bergfriedhof - Grabmal des Astronomen Brünnow vor der Instandsetzung

Das Jahr 2009 wurde, in Erinnerung an den 400. Jahrestag der ersten Himmelsbeobachtungen durch ein Galileisches Fernrohr, von der UN zum “Internationalen Jahr der Astronomie” erklärt. Die Erforschung des Universums ist ein wichtiges Kulturerbe der Menschheit und liefert uns bis heute immer wieder neue Erkenntnisse über das Weltall. Neben dem berühmten Astronomen Max Wolf haben auf dem Heidelberger Bergfriedhof weitere Persönlichkeiten ihre letzte Ruhe gefunden, die sich die Erforschung des Himmels zur Aufgabe gemacht haben.

VIA MONUMENTUM e. V. hat das Gedenkjahr zum Anlass genommen, dringend notwendige Instandsetzungsarbeiten am Grabmal des Astronomen Franz Friedrich Ernst Brünnow (1821-1891) in Auftrag zu geben. Weil das Nutzungsrecht 1932 nicht verlängert wurde, löste man die 8-stellige Grabanlage auf, das Grabmal ließ man an seinem Platz stehen. (Litera O / hinter 12a, früher bez. der Grabanlage: O 184-187 und O 198-201).


Franz Friedrich Ernst Brünnow (1821-1891), Astronom und Professor am Trinity College in Dublin

Franz Friedrich Ernst Brünnow wird am 18. November 1821 in Berlin geboren. Er studiert in Berlin Physik, Mathematik und Astronomie. Nach seiner Promotion 1843 arbeitet er als Assistent bei Johann Encke an der Berliner Sternwarte. 1847 übernimmt er die Leitung der Privatsternwarte Bilk bei Düsseldorf und kehrt 1851 als Erster Observator an die Berliner Sternwarte zurück.

1854-1863 wirkt Brünnow in den USA, so ist er Direktor der Sternwarte in Ann Arbor. Zurück in Europa erhält Brünnow 1866 den Titel “Astronomer Royal for Ireland” und übernimmt die Leitung der Sternwarte Dunsink, 8 Kilometer außerhalb des Stadtkerns von Dublin gelegen. Damals gehörte das Observatorium noch zum Trinity College, wo er als Professor lehrte.


Bergfriedhof, Litera O hinter 12a
Grabmal Brünnows (Detail)

1874 tritt Brünnow wegen nachlassender Sehschärfe in den Ruhestand und verbringt, nach einem Aufenthalt in der Schweiz, seinen Lebensabend bis zu seinem Tod am 20. August 1891 bei seinem Sohn in Heidelberg.

Brünnow verfasste zahlreiche Arbeiten über Kometen, kleine Planeten und Fixsternparallaxen. Von der Fachwelt ganz besonders geschätzt wird sein Lehrbuch der sphärischen Astronomie, das in zahlreichen Neuauflagen u. Übersetzungen erschienen ist (Erstausgabe 1851).

Das über 3 Meter hohe Grabmal aus weißem Marmor entwarf u. schuf der akademische Bildhauer Georg Hess*. Detailansicht: Portraitmedaillon, Instrumente zur Himmelsbeobachtung umfangen von Eichen und Lorbeerzweigen.

*Angaben zu Georg Hess haben wir von der Familie Laubert erhalten, der Bildhauer Karl J. Laubert ist ein Nachfahre von Hess.


2008 - Instandsetzung des historischen Grabmals des Chemikers Curtius

Bergfiedhof, Litera Waldabteilung A 67-68
Bergfriedhof, Grabstätte Curtius

2008 hat der Verein die Instandsetzung des Grabmal von Theodor Curtius (1857-1928) in Auftrag gegeben. Das Richten der Grabeinfassung und die Neubepflanzung hat die Friedhofsverwaltung übernommen. Die letzte Ruhestätte von Curtius befindet sich auf einer der Terrassen in der Waldabteilung. Die hier entlang des Wegesrands gelegenen Gräber bedürfen des besonderen Schutzes – auch die Grabanlagen weniger prominenter Personen. Nur durch den Erhalt und die Pflege der hier entstandenen und mittlerweile historischen Grabanlagen können wir das außergewöhnliche “Friedhofsbild” der damaligen Zeit dokumentieren und nachempfinden. Fotos helfen da weniger.


Theodor Curtius gilt als letzter Schüler von R. W. Bunsen. Als Nachfolger von Victor Meyers, ist er 28 Jahre lang Direktor am Chemischen Institut der Universität Heidelberg (1898-1926) und zählt zu den bedeutendsten Forschern der präparativen organischen Chemie. Nach Curtius sind zwei chemische Verfahren benannt, die er entwickelt hat.

Das Grabmal schuf der Bildhauer Heinrich Boppel (1867-1944), das Bronzerelief mit dem Portrait von Curtius der akademische Bildhauer Hermann Volz (1867-1941).

Mehr zu Theodor Curtius: Universität Kiel, Deutsche Biographie, Verzeichnis des Nachlasses, Altes Chemisches Universitätslaboratorium Heidelberg


Blick in die Projekt-Zukunft: Eine besondere Friedhofsanlage braucht eine besondere Orientierungshilfe für die Besucher

Die Situation

Der Bergfriedhof mit seinen verschlungenen Pfaden macht es Angehörigen und Freunden von Verstorbenen schwer, die Grabstelle wiederzufinden. Ein Kreuzchen auf einem der zur Zeit zur Verfügung stehenden Friedhofsplänen macht die Suche nicht selten zu einem Unterfangen, das mit Tränen und Wut ob der langen und “ergebnislosen Sucherei” endet. Die schwere, mit Blumen bepflanzte, Grabschale wandert dann wieder ins Auto und wird mit nachhause genommen. Die freundlichen Mitarbeiter der Friedhofsverwaltung, die das Kreuzchen auf dem Faltblatt gemacht haben, will man kein zweites (oder drittes) Mal fragen.


Service am Kunden

Auf dem Heidelberger Bergfriedhof werden größere Kreuzungsbereiche jeweils mit einer Zahl gekennzeichnet. Diese Zahlen finden sich dann an entsprechender Stelle auf dem Friedhofsplan (Faltblatt) wieder. So ist es möglich, bei einem Gang über den Friedhof seinen jeweiligen Standort zu überprüfen. Überraschungen beim Vergleich der Zahl am Kreuzungsbereich mit der Zahl auf dem Plan – wo man sich vermeintlich gerade befindet – sind bei den topografischen Gegebenheiten des Heidelberger Bergfriedhofs garantiert! Letztlich kann man sich aber gut von Zahl zu Zahl seinem Ziel nähern und dabei “Irrwege” korrigieren.


Sponsoren gesucht

Der Verein sucht derzeit nach Sponsoren, die die Kosten für das Projekt übernehmen. Es müssen dezente Hinweisschildchen mit den Zahlen angefertigt und an die Kreuzungsbereiche gesetzt werden sowie ein entsprechender Plan, mit den Zahlen der Kreuzungsbereiche versehen, erstellt und als Faltblatt gedruckt werden.