Ludolf von Krehl

Ludolf (von) Krehl (26. Dezember 1861 in Leipzig – 26. Mai 1937 in Heidelberg) war ein deutscher Internist und leitete 24 Jahre lang das Universitätsklinikum Heidelberg.

Als Nachkomme einer Familie, die über mehrere Generationen hinweg den Beruf von evangelischen Theologen ausübte, empfand auch Krehl zeitlebens tief religiös und war patriotisch-vaterländisch gesonnen. Krehl trat als Mediziner weniger durch eigene klinische Forschung hervor, vielmehr begründete er seinen Ruf durch sein stets aktualisiertes Lehrbuch über Pathologische Physiologie, das von 1893 bis 1923 in zwölf überarbeiteten Auflagen erschien. Es war die letzte Gesamtdarstellung aller inneren Krankheiten und ihrer Behandlungen, bevor die Medizin sich endgültig in verschiedene Bereiche trennte und spezialisierte wie etwa in Kardiologie und Gastroenterologie. (Schettler 1985, 115) Die ersten Auflagen gründeten noch auf einem streng naturwissenschaftlichen Verständnis der Erkrankungen und ihrer Heilung. Doch schon 1902 kannte er die psychoanalytischen Schriften von Sigmund Freud, dennoch verschob sich sein medizinisches Weltbild zunächst nur auf die Faktoren von Vererbung, Konstitution und Umwelt.

Erst die gewaltige seelische Erschütterung durch die Kriegserlebnisse in den Lazaretten der Westfront im 1. Weltkrieg änderte seine Auffassung von Medizin grundlegend. Dieser Wechsel wird als Hinwendung zur personalen Medizin beschrieben („Personalismus“). Nicht mehr die Krankheit oder das erkrankte Organ, sondern die erkrankte Persönlichkeit steht im Mittelpunkt von Diagnose und Therapie. Bei vielen Funktionsstörungen ließ sich keine organische Ursache finden (nervöse Herzkrankheiten, Verdauungsstörungen, hysterische Lähmungen), so daß Krehl eine ganzheitliche Sicht der Medizin forderte. Sowohl die organische, als auch die seelische Heilung sei zur Gesundung notwendig. Unabdingbar sei dafür eine gründliche Anamnese, also eine gründliche Untersuchung und Befragung des Patienten durch den Arzt. Krehl kann daher als Mitbegründer der Psychosomatik gelten. Sein Assistent Viktor von Weizsäcker, ein berühmter Vertreter der Psychosomatik, lobte Krehl als einen „Künstler der Intuition“ (Schettler 1985, 124) in der Diagnose von kranken Menschen.

Nachdem ihn seine erste Frau wegen eines Kollegen verlassen hatte, heiratete er 1910 die vermögende Witwe aus der deutsch-russischen Zuckerfabrikantenfamilie Koenig, Elisabeth Frohne (1868-1942). Der spätere Amtssitz des Bundespräsidenten, die „Villa Hammerschmidt“, gehörte zu ihren Besitztümern. Ein Jahr danach wurde mit ihren Mitteln eine „fast schloßartige“ Villa in der Bergstraße 106 erbaut. (Leibrecht 2004, 102) Während des ersten Weltkriegs entschied sich das Ehepaar, die Villa nach Kriegsende als Internat für externe evangelische Schüler zu stiften und in das Gärtnerhaus umzuziehen. Die Inflation verringerte das Kapital ihrer Friedrichsstiftung, so daß sich die Krehls gezwungen sahen, die Villa an einen Träger privater Schulheime zu veräußern. 1988 verkaufte der Melanchthon-Verein das Anwesen an die von Dr. Georg Leibrecht gegründete private Schiller International University.

Krehl, der bereits 1904 für seine beruflichen Verdienste vom württembergischen Königshaus geadelt wurde, ging ganz in seiner Arbeit an der Klinik auf und arbeitete ununterbrochen bis an sein Lebensende. Kurz vor seiner Emeritierung 1930 gelang es ihm, ein interdisziplinäres Forschungsinstitut für medizinische Grundlagen zu gründen, das damalige Kaiser-Wilhelm-Institut für medizinische Forschung am Ufer des Neuenheimer Feldes (heute: Max-Planck-Institut für medizinische Forschung). Einer der Gründungsdirektoren des Instituts war der Biochemiker Richard Kuhn, der 1938 den Nobelpreis für seine Vitaminforschung erhielt. Mit dem darauffolgenden Bau des angrenzenden Universitätsklinikums für Chirurgie war die Entscheidung gefallen, das Neuenheimer Feld als Wissenschaftscampus für die Universität zu erschließen.1

Grabstelle: Litera Wald 259-262


Grabanlage Krehl, Litera Wald B 259-262 Grabanlage Krehl, Litera Wald B 259-262 Grabanlage Krehl, Litera Wald B 259-262 Grabanlage Krehl, Litera Wald B 259-262

Literatur
Gotthard Schettler: Ludolf Krehl. 1861-1936. In: Semper apertus. 600 Jahre Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg 1386 – 1986. Festschrift in sechs Bänden. Band 3: Das zwanzigste Jahrhundert: 1918 – 1985. Hrsg. von Wilhelm Doerr, Springer, Berlin 1985, ISBN 3-540-15425-6, S. 114-135.

Helmut Wyklicky: Krehl, Ludolf von, in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 733-734, online-Datei.

Thomas Leibrecht: Die Villa Krehl in Heidelberg. In: Heidelberg. Jahrbuch zur Geschichte der Stadt, 8 (2003/04), S. 99-113.

1 NN: Die glückliche Vision des Ludolf von Krehl. In: Max Planck Forschung 2 (2005), S. 92-93, online-Datei.