Marianne Weber

Marianne Weber
Marianne Weber, 1896

Marianne Weber, geb. Schnitger, (2. August 1870 in Oerlinghausen – 12. März 1954 in Heidelberg) war eine deutsche Frauenrechtlerin und Rechtshistorikerin.

Marianne Weber wuchs unter schwierigen Verhältnissen heran, trotz provinzieller Enge und ständigem Wechsel der Bezugspersonen bewahrte sie sich ihren drängenden Wunsch nach Bildung und Freiheit, den sie später als Ehefrau des Soziologen Max Weber und als eine der führenden Akteurinnen in der deutschen Frauenbewegung verwirklichen konnte. Die Mehrzahl der Literatur hatte bislang an Marianne Weber kaum ein gutes Haar gelassen. Der Eindruck von psychischer Überforderung in Verbindung mit latenter Frauenfeindlichkeit bei den männlichen Autoren überwiegt. Erst nachdem die Professorin Bärbel Meurer, die schon über Max Weber promoviert wurde, im Jahre 2010 die erste Biographie über Marianne Weber veröffentlicht hatte, konnten die gängigen Vorwürfe, Unterstellungen und Spekulationen mit genauer Kenntnis der Quellenlage als entkräftet gelten.

Tatsächlich führte das Ehepaar Weber eine sehr liebevolle Beziehung, die den stärksten Belastungen über zwei Jahrzehnte hinweg standhielt. Sie korrespondierten bei Abwesenheit nahezu täglich miteinander, und Weber unterstützte seine Frau vorbehaltlos in ihrem Engagement für eine rechtliche Gleichstellung der Frauen. Allerdings führte Marianne Weber all ihre schriftlichen Arbeiten selbständig durch – ohne eine allgemein unterstellte Federführung Max Webers. Auch der zwischenzeitlich erhobene Vorwurf, sie habe sein posthum herausgegebenes Hauptwerk »Wirtschaft und Gesellschaft« willkürlich gefiltert und damit verzerrend aus seinen Manuskripten zusammengestellt, läßt sich nicht belegen. Im Jahre 2000 wählte die International Sociological Association »Wirtschaft und Gesellschaft« zum wichtigsten soziologischen Werk des 20. Jahrhunderts.

Beliebt ist es auch, über eine asexuelle Ehe der Webers zu spekulieren, was sich ebenfalls nicht konkret begründen läßt. Es verwundert daher nicht, daß ihr Grundlagenwerk »Ehefrau und Mutter in der Rechtsentwicklung« allgemein noch nicht als Pionierarbeit anerkannt wird, das nach wie vor unübertroffen ist. Sie schrieb diese sozialhistorisch erweiterte und vergleichende Rechtsgeschichte unter großen zeitlichen Einschränkungen, zu Hause litt der chronisch erkrankte Max Weber an seinem Erschöpfungszustand („Burnout-Syndrom“ nach Meurer 2010, 122), die von ihr verehrte und finanziell helfende Schwiegermutter Helene Weber erwartete von ihr zeitraubende karitative Tätigkeiten und die Frauenbewegung forderte ihren Tribut in Form von Artikeln, Vorträgen, Versammlungen, Tagungen und Besuchen.

Nachdem lange zu Max Webers Liebesbeziehungen zu Mina Tobler und Else Jaffé geschwiegen wurde, überstieg bei vielen Autoren das Verständnis für Marianne Webers Duldung der Beziehungen Webers und ihre innige Freundschaft zu den beiden Gefährtinnen. Diese Überforderung in Zusammenhang mit negativen Spekulationen ließ ein Zerrbild von Marianne Weber entstehen, das kaum etwas mit den Quellen gemein hat. Max Weber hatte diesen drei Frauen viel zu verdanken – und am meisten Marianne Weber. Nicht zuletzt verhalf sie ihm 1908 mit ihrer großväterlichen Erbschaft von 350.000 Reichsmark zu einem zumindest finanziell sorgenfreien Leben. In seinen schlimmsten Krankheitsphasen hielt sie ein Beziehungsnetz von Freundschaften aufrecht, aus denen heraus sich der berühmte sonntägliche Gesprächskreis der Vorkriegszeit mit jungen Wissenschaftlern entwickelte.


Grabanlage Weber, Litera E 408 Grabanlage Weber, Litera E 408

Literatur
Bärbel Meurer: Marianne Weber. Leben und Werk. Mohr Siebeck, Tübingen 2010, ISBN 978-3-16-150452-5.

Bärbel Meurer: Marianne Webers wissenschaftliche Arbeit und ihr Verhältnis zur Wissenschaft Max Webers. In: Bärbel Meurer (Hrsg.): Marianne Weber. Beiträge zu Werk und Person. Mohr Siebeck, Tübingen 2004, ISBN 3-16-148162-3, S. 213 – 240.

Marianne Weber: Ehefrau und Mutter in der Rechtsentwicklung. Eine Einführung. J.C.B. Mohr (Paul Siebeck), Tübingen 1907. Online-Datei.