Gedenkstätte für Carl Goerdeler und Sohn Christian und Fritz Goerdeler und Sohn Dietrich

Familiengrabstätte Goerdeler / Meyer-Krahmer

Bergfriedhof, Litera P 65-66
Bergfriedhof - Familiengrabstätte Goerdeler / Meyer-Krahmer

Am 10. August 1961 stirbt Anneliese Goerdeler, die Witwe des Widerstandskäpfers Carl Goerdeler, und wird auf dem Heidelberger Bergfriedhof (Litera P 65-66) beigesetzt. Auch für ihre Mutter Anna Ulrich (1865-1945) und ihren Schwiegersohn Hans-Georg Meyer-Krahmer (1920-1952) ist das Familiengrab die letzte Ruhestätte.

Die Grabstätte liegt nur wenige Schritte entfernt von der Gedenkstätte für die Opfer des Nationalsozialismus und die beiden “Flügel“, links und rechts des Grabmals geben beredt darüber Auskunft, dass es sich hier auch um eine Gedenkstätte handelt. “Zum Gedenken an Carl Goerdeler, Oberbürgermeister von Leipzig geb. 31.76.1884 gest. 2.2.1945 nach dem 20. Juli 1944 zum Tode verurteilt und seinem Sohn Christian Goerdeler geb. 31.5.1917 gefallen vor Charkow am 15.5.1942“ ist auf dem einen Gedenkstein zu lesen. Auf dem anderen Gedenkstein steht: “Zum Gedenken an Fritz Goerdeler Stadtkämmerer in Königsberg geb. 6.3.1886 gest. 1.3.1945 nach dem 20. Juli 1944 zum Tode verurteilt und sein Sohn Dietrich Goerdeler 24.9.1914 vermisst in Pommern seit März 1945“. Die Gräber der Opfer sind nicht bekannt.

Die Familienbande der Goerdelers waren sehr eng geknüpft, Carl und Fritz Goerdeler heirateten ihre Cousinen, die Geschwister Anneliese und Susanne Ulrich. Nach dem missglückten Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 werden die Familienangehörigen um Carl und Fritz Goerdeler von den Nazis in “Sippenhaft“ genommen.

Der Straßennahme “Goerdeler“ erinnert in vielen Städten an den Widerstand der Goerdelers im Nazi-Deutschland.

Nach dem Krieg zog Anneliese Goerdeler, die Witwe Carl Goerdelers, zu ihrer Tochter und ihrem Schwiegersohn nach Heidelberg.


Carl Friedrich Goerdeler (1884-1945)

Bergfriedhof, Litera P 65-66
Gedenkstein für Carl Friedrich Goerdeler und seinen Sohn Christian

Carl Friedrich Goerdeler wird am 31. Juli 1884 in Schneidmühl als drittes von 5 Kindern geboren. Beide Elternteile stammen aus gutbürgerlichen, preußisch-konservativen Beamtenfamilien. Der Tradition entsprechend wird C. Goerdeler erzogen, studiert Jura und wird Verwaltungsbeamter. Als kompetenter Fachmann in der Kommunalverwaltung und Experte in politischen Wirtschaftsfragen, wird er 1930 zum Oberbürgermeister der Stadt Leipzig gewählt. C. Goerdeler wertet die Machtergreifung Hitlers als Chance, seine eigenen politischen Ziele umsetzen zu können, beginnt aber allmählich, seine Gesetzestreue und damit Pflichterfüllung und Loyalität gegenüber dem Staat zu hinterfragen. Zum Beispiel sieht C. Goerdeler anfänglich Parallelen zu seiner Auffassung von einer national-konservativen Staatsführung ohne Parteienlandschaft unter kommunaler Selbstverwaltung, der Wunsch nach einem Deutschen Reich mit den Grenzen von 1914 (vorerst), den Neuerwerb deutscher Kolonien als Rohstofflieferanten und besonders die Rücknahme des Versailler Vertrags und damit Beseitigung des polnischen Korridors. Das Erreichen der Ziele durch den Einsatz militärischer Mittel lehnt Goerdeler aber ab, ebenso die Bestrebungen nach Autarkie und die totalitäre Staatsmachtführung.

Von den Machthabern in das Amt des Preiskommissars am 5. November 1934 zum zweiten Mal berufen (er hatte das Amt schon einmal 1931 übernommen) und nach dem Ausscheiden am 1. Juli 1935 als Fachmann in Bereich Wirtschaft und Finanzen um Gutachten (bes. zum “Vierjahresplan“ Görings) gebeten, sieht C. Goerdeler eine letzte Möglichkeit, seine liberalen Vorschläge in Sachen Wirtschaftspolitik und nötiger Kürzung der Rüstungsausgaben darzulegen, in der Hoffnung, dass sie Berücksichtigung finden – vergebens. Totalitäre Machtansprüche, streben nach Autarkie und Aufrüsten sowie menschenverachtendes, brutales Verhalten gegenüber anders denkender Bürger ist nach den Olympischen Sommerspielen im August 1936 für jedermann zu erkennen, Goerdeler hatte aufgrund seiner Tätigkeit schon früher Einblick, wie die Strategie und die Moral Hitlers aussieht.
Als Goerdeler im November 1936 von einer Vortragsreise aus Skandinavien nach Leipzig heimkehrt, ist das Denkmal des jüdischen Komponisten Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847 ) vor dem Gewandhaus – er hatte sich vehement für den Erhalt eingesetzt – entfernt und zerstört worden. Dies nimmt Goerdeler zum Anlass, mit Schreiben vom 25.11.1936 seinen Rücktritt zu erklären. Er wird mit sofortiger Wirkung beurlaubt und am 22. März 1937 verabschiedet. Am 31. März 1937 folgt auf seinen eigenen Wunsch hin eine Abschiedsfeier im Festsaal des neuen Rathauses.

Bei der Firma Robert Bosch in Stuttgart erhält Goerdeler 1937 einen Posten als “Wirtschaftspolitischer Berater“. Bosch unterstützt den liberalen Widerstand gegen Hitler und Goerdeler kann mit seiner Hilfe Kontakt ins Ausland, auch zu Regierungsmitgliedern in Schlüsselpositionen, aufnehmen, um vor Hitler und seinen Kriegsplänen zu warnen und die Ziele der Opposition darzulegen und um Unterstützung zu bitten. Offiziell ist er in Sachen Finanzpolitik unterwegs. Die Reisekosten werden aus einem Fond beglichen, den Friedrich Krupp zur Verfügung stellt – als Ausgleich dafür, dass er einen Goerdeler in Aussicht gestellten Vorstandsposten nach Hitlers Einspruch nicht an ihn vergeben hat. Die Auslandsreisen (1937 bis August 1939) haben nicht den von Goerdeler erwarteten Erfolg, Gründe hierfür sind vielschichtig und reichen von zu viel Eigeninteresse Goerdelers bis zu dem Standpunkt, dass das Ausland völlig andere Vorstellungen über den zukünftigen Stellenwert Deutschland hatte. Umfassende Analysen, besonders der Dokumente zu Goerdelers Kontakte im Ausland, stehen noch aus.

Um Goerdeler formieren sich ab 1939 vorwiegend nationalliberal eingestellte Gegner des NS-Regimes. Kontakte untereinander und zu anderen Gruppen finden hauptsächlich in Berlin und Stuttgart statt. Über den Generaloberst Ludwig Beck hält Goerdeler Kontakt zu Widerständlern im Bereich des Militärs. Goerdelers Ziel ist es, Hitler zu entmachten und und ihm und seinen Anhängern den Prozess zu machen. Wie die Zeit nach Hitler aussehen soll, hat Goerdeler in zahlreichen Schriften niedergelegt. Trotz Ablehnung, Hitler zu töten, ist er doch maßgeblich an den Vorbereitung auf das Attentat am 20. Juli 1944 beteiligt. Am Tag des Attentates befindet sich Goerdeler auf der Flucht, er wird bereits seit dem 17. Juli 1944 per Haftbefehl gesucht und auf Plakaten ist zu lesen, dass für Hinweise zur Ergreifung Goerdelers “Eine Million Reichsmark“ ausgesetzt sind. Der vorbereitete Fluchtweg in die Schweiz kann aus verschiedenen Gründen nicht genutzt werden. Goerdeler hält sich in Berlin versteckt und entschließt sich dann, in seine preußische Heimat zu fliehen. Dort wird er am 12. August erkannt und verhaftet. Bei seinem Prozess am 8. September 1944 wird Goerdeler zum Tode verurteilt und am 2. Februar 1945 in Berlin-Plötzensee ermordet.


Fritz Goerdeler (1886-1945)

Bergfriedhof, Litera P 65-66
Gedenkstein für Fritz Goerdeler und seinen Sohn Dietrich

Fritz Goerdeler wird in Schneidemühl am 6. März 1886 als jüngstes von fünf Geschwistern geboren. Er ist der Bruder von Carl Goerdeler. 1890 zieht die Familie Gördeler nach Marienwerder in Westpreußen um, das Familienoberhaupt Jullius Goerdeler wird hierher als “Aufsichtsführender Amtsrichter“ versetzt. Fritz Goerdeler wächst nun in Marinewerder auf. Wie sein Bruder Carl, beginnt er das Studium der Rechstwissenschaften in Tübingen und macht seinen Abschluss an der Königsberger Universität in Ostpreußen. Nach Studienabschluss arbeitet Fritz Goerdeler als Rechtsanwalt.

1919 wird Fritz Goerdeler in das Amt des Bürgermeister von Marinewerder gewählt und 1932 für weitere 12 Jahre in seinem Amt bestätigt. Doch im Frühsommer 1933 muss er sein Amt niederlegen, da er sich weigert, in die NSDAP einzutreten (sein Bruder Carl weigerte sich ebenfalls konnte sich aber als OB von Leipzig durchsetzen). Fritz Goerdeler zieht mit seiner Familie nach Königsberg und wird, zunächst kommissarisch, Stadtkämmerer.

Fritz Goerdeler lehnte, wie sein Bruder Carl, das NS-Regime ab. So unterstützt er seinen Bruder, indem er in seinem Preußischen Umfeld Kontakte zu Nazi-Gegnern sowohl im zivilen als auch militärischen Bereich knüpft.

Nach dem missglückten Attentat auf Hitler wurde Fritz Goerdeler verhaftet und am 23. Februar 1945 zum Tode verurteilt. Am 1. März 1945 wird Fritz Goerdeler in Berlin-Plötzensee ermordet.


Christian Goerdeler (1917-1942)

Carl Goerdelers Sohn Christian wird am 31.05.1917 als zweites von fünf Kindern in Solingen geboren, wächst in Königsberg und Leipzig auf und tritt am 1. April 1936 in die Reichswehr ein – die Ablehnung, Parteimitglied zu werden, versperrte ihm den Weg zum Studium und einer sich anschließenden Beamtenlaufbahn. 1942 dient er im besetzten Frankreich und verfasst ein Protestschreiben, als Geißeln erschossen werden. Daraufhin erhält er eine Beförderungssperre und wird nach einer Woche Arrest an die Russische Front strafversetzt. Am 15. Mai 1942 fällt Christian Goerdeler in der Schlacht bei Charkow.


Dietrich Goerdeler (1914-1945)

Dietrich Goerdeler wird am 25. September 1914 in Marienwerder geboren, er ist der Sohn von Fritz Goerdeler. Seit März 1945 wird er in Pommern vermisst. Auch seiner wird an dieser Grabstätte gedacht.


Literatur / Quellen

Ludwig Beck, Carl F. Goerdeler
Beck und Goerdeler: Gemeinschaftsdokumente für den Frieden 1941-1944
Herausgegeben (und ausführlich erläutert) von Wilhelm Ritter von Schramm

München 1965

Signatur Universitätsbibliothek Heidelberg: 65 A 1066

Leider, wie so oft, ist auch hier das uns von der Bibliothek ausgehändigte Exemplar so mit Markierungen übersät, dass ein einigermaßen “ungestörtes” Lesen nicht möglich ist.

Carl Friedrich Goerdeler
Politische Schriften und Briefe Carl Friedrich Goerdeler Band 1 und 2
Hrsg. Sabine Gillmann

München 2003

Signatur Universitätsbibliothek Heidelberg: 2003 A 10061::1 und 2003 A 10061::2

Christoph Markschies
Carl und Friedrich Goerdeler

in: Joachim Mehlhausen (Hrsg.) Zeugen des Widerstandes / S. 142-172

Tübingen 1996

Signatur Universitätsbibliothek Heidelberg: 96 A 3666

Marianne Meyer-Krahmer
Carl Goerdeler und sein Weg in den Widerstand
Eine Reise in die Welt meines Vaters

Freiburg im Breisgau 1989

Signatur Universitätsbibliothek Heidelberg: 89 A 4051

Marianne Meyer-Krahmer
Carl Goerdeler - Mut zum Widerstand
Eine Tochter erinnert sich / 2. erweiterte Ausgabe zu Freiburg im Breisgau 1989

Leipzig 1998

Signatur Universitätsbibliothek Heidelberg: 98 A 7678

Ines Reich
Carl Friedrich Goerdeler
Ein Oberbürgermeister gegen den NS-Staat

Köln (u. a.) 1997

Signatur Universitätsbibliothek Heidelberg: 97 A 8399

Gerhard Ritter
Carl Goerdeler und die Deutsche Widerstandsbewegung

Stuttgart 1954 und 1984

Signatur Universitätsbibliothek Heidelberg: B 4439-257-233

Joachim Scholtyseck
Robert Bosch und der liberale Widerstand gegen Hitler 1933-1945

München 1999

Signatur Universitätsbibliothek Heidelberg: 99 A 9395

Online

Rezension zu Beck/Goerdeler von W. Scharlau

Bundeszentrale für politische Bildung

Deutsche Biographien