Der alte Friedhof um die Peterskirche

Der älteste Friedhof des historischen Heidelberg

Heidelberger Peterskirche - Eingang
Eingang der heutigen Peterskirche, rechts schloss sich einst der katholische Friedhof an.

Ein Schriftstück aus dem Jahre 1196, in dem ein Vermächtnis an das Kloster Schönau beurkundet wird, trägt auch die Unterschrift eines „Cunradus plebanus in Heidelberch“. Es kann sich bei dem Unterzeichner nur um den Leutpriester der uns aus dieser Zeit einzig bekannten St. Peterskirche, dem Gotteshaus einer ehemaligen Fischersiedlung, handeln. Die Gründung der Stadt Heidelberg wird nach neuesten Erkenntnissen frühestens um das Jahr 1220 vermutet, eine Gründungsurkunde gibt es leider nicht. Ein im Jahre 1223 erwähnter Archipresbiter de Heidilberc (V. F. von Gudenus 1728) ist wohl mit der Peterskirche in Verbindung zu bringen.

Da der Kirchhof um die Peterskirche auch als Gottesacker diente, ist er, wenn man die Kirchhöfe der später eingemeindeten Stadtteile nicht berücksichtigt, der älteste Friedhof der Stadt Heidelberg. Der Friedhof und die Kirche dienen besonders als Grablege hochgestellter Persönlichkeiten wie Universitätsprofessoren und Beamte des Hofes sowie wohlhabender Bürger. Das älteste uns überlieferte Grabdenkmal stammt aus dem Jahre 1396 und wurde für den verstorbenen ersten Rektor der Heidelberger Universität, Marsilius von Inghen, geschaffen. Es ist uns leider nicht erhalten geblieben.


Der Gottesacker wächst mit seiner Aufgabe ...

Der Friedhof um die Peterskirche wird mehrmals erweitert, so wird z. B. 1690 westlich der Kirche ein Friedhofsbereich, der sogenannte “Kleine Kirchhof“, für die Bürger katholischen Glaubens angelegt (später wird hier eine monumentale Kreuzigungsgruppe aufgestellt und eine kleine Kapelle erbaut). Außerhalb des Stadtkerns gelegen, war die Kirche samt Gottesacker von einer hohen Mauer umgeben (siehe Oechelhäuser 1913, S. 156, Fig. 92).

Die Abmessungen des Friedhofs werden bei E. Mushake 1929, 14ff so beschrieben:
„ … da, wo die heutige Universitätsbibliothek steht, wo die Plöck nach Westen, der früheren Vorstadt zu, einmündet, wo die Leopoldstraße [heute Friedrich-Ebert-Anlage] durchgeführt ist und wo in deren Nähe uns die Eisenbahn seit 1862 nach Würzburg bringt [früher Haltestelle im westlichen Bereich der Peterskirche, heute überbaut], da war vor dem Jahr 1844 noch der geräumige St. Petersfriedhof in Benützung.“

Auf dem Friedhof und bis 1775 auch in der Peterskirche, haben zahlreiche Persönlichkeiten, die durch ihr Wirken die Geschichte Heidelbergs mit prägten, ihre letzte Ruhestätte gefunden.
Die Grabdenkmale der Verstorbenen sind uns leider nur zu einem Teil erhalten geblieben.


... und ist zuletzt doch überfordert

Heidelberger Peterskirche - Grünanlage
Der erhaltene Teil des ehemaligen Gottesackers dient heute als Grünanlage.

Wie den meisten Kirchhöfen um die Mitte des 19. Jahrhunderts erging es auch dem Peterskirchhof. Die Zahl der Einwohner Heidelbergs stieg stark an und so reichte der Platz auf dem Friedhof nicht mehr aus. Hygienische Gründe zwangen letztlich dazu, den Friedhof 1844 zu schließen und die Verstorbenen nur noch auf dem im selben Jahr in Betrieb genommenen kommunalen Friedhof an der Steige, dem heutigen Bergfriedhof, zu bestatten.

Im Mai 1860 fällt ein Großteil des, Jahre zuvor verkauften, Friedhofsgeländes dem Ausbau der Bahnstrecke nach Neckargemünd zum Opfer. Viele Grabdenkmale gehen dabei verloren (Oechelhäuser 1913, S. 197).


Schon 1858 wird das auf dem 1690 angelegten katholischen Friedhofsbereich aufgestellte „ … monumentale Kruzifix mit mächtiger Christusfigur und den unter dem Kreuz stehenden Steinfiguren der Gottesmutter nebst Maria Magdalena und Johannes“ (H. Liedvogel 1950-1953, 11f) auf den Bergfriedhof gebracht (heute dort eine Kopie, das Original ist jetzt in dem „alten Neuenheimer Kirchlein“ (ebd.) aufgestellt).

Die Kapelle auf dem katholischen Friedhofsgelände wird 1861 abgetragen und in Gaiberg, 12 Kilometer südlich von Heidelberg gelegen, wieder errichtet, wo sie bis1955 genutzt wurde, bevor die heutige St. Michaelskirche an ihrer Stelle erbaut wird. (siehe auch Oechelhäuser 1913, S. 118 )


Vereinzelt ließen nach Auflassen des Peterskirchhofs Angehörige ihre verstorbenen Familienmitglieder auf den Bergfriedhof umbetten. So wurde zum Beispiel auch Karl Philipp Spengel (1758-1828) in die im Eröffnungsjahr des Bergfriedhofs angelegte Familiengrabstätte umgebettet (nach Unterlagen der Friedhofsverwaltung aus den 1980er Jahren, in den alten Gräberbüchern diesbez. kein Eintrag). Die Inschrift des historischen Grabmals auf der Familiengrabstätte lautet “Ruhestätte Familie Spengel seit 1844“ (Litera A 58-62).

Auch Angehörige der Familie von Graimberg sollen nach 1864 in die Familiengrabstätte auf den Bergfriedhof umgebettet worden sein (Litera C 50-52). Die Quellenlage ist widersprüchlich, es wird auch der St. Annafriedhof als ehemalige Grablege angegeben (wir recherchieren).


Die Denkmale in und um die Peterskirche ...

Heidelberger Peterskirche - Außenansicht
Einige Denkmale im Außenbereich der Peterskirche werden mittlerweile durch ein Dach geschützt - den Zerfallsprozess kann man so leider nur verlangsamen.

Über die Grabdenkmale liegen Verzeichnisse vor, das älteste wurde von Melchior Adamus 1612 erstellt.

Adolf von Oechelhäuser 1913, S. 165f, äußert sich in seiner Publikation über die erhaltenen Grabdenkmale so: “Die Grabdenkmäler der St. Peterskirche bilden eine in ihrer Art einzige und großartige Sammlung deren Bedeutung in künstlerischer und historischer Hinsicht, für Geschichte der Tracht und für Heraldig nicht hoch genug angeschlagen werden kann. Von jeher ist ihnen verdiente Aufmerksamkeit geschenkt worden wenn auch wenig zu ihrer Erhaltung geschehen und eine ganze Anzahl inzwischen verschwunden ist seit Melchior Adamus i. J. 1612 in seinem dem Pfalzgraf Ludwig Philipp gewidmeten “Monumentorum Haidelbergensium Apographum“ das erste Verzeichnis darüber veröffentlicht hat.“

Die Werke von Melchior Adamus 1612 und Adolf von Oechelhäuser 1913 sind digital abrufbar. Siehe auch Johann Franz Freiherr von Wickenburg 1751, 56r, 56v-82v (München, Bayerisches Hauptstaatsarchiv – Geheimes Hausarchiv, Hs. 317 (1), Thesaurus Palatinus (Band 1): Heidelberg und Mannheim, Heidelberg, 1747-1752;)


... und eine aktuelle Bilanz

Heidelberger Peterskirche - Außenansicht
Epitaph der Eheleute Michel Miler d. A. (gest. 1555) und Magreta Bobergeri (gest. 1586) sowie der Eheleute Michel Miler d. J. (gest. 1587) und Agnes Millerin (gest. 1605)

Eine aktuelle „Bilanz“ über die Grabdenkmale ist bei Anneliese Seeliger-Zeiss, Frankfurt 2006, S. 16, aufgeführt:

“Aus der ältesten Sammlung von Grabinschriften (Melchior Adamus, 1612) wissen wir von der großen Fülle der ehemals vorhandenen Grabdenkmäler. Vor 1650 wurden hier nicht weniger als 235 Grabmäler mit ihren Inschriften nachgewiesen (davon heute 70 Stücke erhalten). Aus der Zeit des Barock bis zur Auflassung des Friedhofs waren um 1900 noch weitere 70 Stücke nachweisbar. Heute umfasst der Bestand insgesamt 156 erhaltene Stücke. Davon sind 90 im Kircheninnern vor Verwitterung und saurem Regen gerettet; die übrigen sind an den Außenwänden der Kirche denkmalgerecht und z. T. unter Schutzdächern angebracht, aber auf lange Sicht dem Verfall preisgegeben.“

Den wichtigen Stellenwert, den die Heidelberger Peterskirche zu allen Zeiten einnimmt und ihre wechselvolle, kunsthistorisch bedeutsame Baugeschichte wird in zahlreichen Publikationen gewürdigt.

Eine Literaturliste (und vieles mehr zur Peterskirche) findet man auf der Internetseite des Heidelberger Geschichtsvereins, außerdem kann viel Interessantes über das Gotteshaus auf der Internetseite www.peterskirche-heidelberg.de nachgelesen werden.

Epitaph der Milers siehe Oechelhäuser 1913, S. 180f, Nr. 65
und Johann Franz Freiherr von Wickenburg 1751, 73r


"Ein einzigartiger Schatz"

Heidelberger Peterskirche - Außenansicht
... der für immer verloren geht, wenn Umwelteinflüsse weiterhin die wertvollen Zeugnisse der Bestattungskultur zerstören können.

Die Sammlung an Grabdenkmalen der Peterskirche beschreibt Anneliese Seeliger-Zeiss, Regensburg 2006, S. 20, 22, so: “Über die künstlerische Qualität der Architektur hinaus ist die Peterskirche bedeutsam durch ihren Reichtum an Kulturdenkmälern. Mit 156 Grabplatten und Epitaphien, die eine Zeitspanne von fast vier Jahrhunderten umfassen, besitzt diese Kirche einen einzigartigen Schatz aus der Zeit der Spätrenaissance, des Barock und des Romantischen Klassizismus, wie ihn keine andere Kirche in Südwestdeutschland aufweisen kann. In dem Bestand spiegelt sich die enge Bindung der Peterskirche an die Heidelberger Universität und ihre Funktion als Begräbnisstätte für Adel, Klerus und Bürgerschaft.“

Das älteste uns überlieferte Grabdenkmal stammt aus dem Jahre 1376 und wurde für den verstorbenen ersten Rektor der Heidelberger Universität, Marsilius von Inghen geschaffen. Es ist uns leider nicht erhalten geblieben.

An dieser Stelle kann nur eine winzig kleine Auswahl an Grabdenkmalen vorgestellt werden (ein Besuch der Peterskirche mit Besichtigung aller uns erhalten gebliebenen Grabdenkmalen lohnt sich!)


Alexander Bellendörffer (um 1436-1512)

Prof. Dr. Peter Lampes Predigt zur Himmelfahrt am 25. Mai 2006 in der Peterskirche zu Heidelberg beginnt mit den Worten:

“Er wollte auch nach seinem Tode an unseren Eucharistiefeiern teilhaben, an den Gottesdiensten der Lebenden. Dort drüben, in der nordöstlichen Seitenkapelle, kniet er, zum Altar hingewandt, auf dem ältesten und einzigen spätgotischen Epitaph. Am Sonntag Rogate wurde hier über ihn gepredigt. Alexander Bellendörffer hieß er, der Chefnotar des kurfürstlichen Hofes. 1485 legte er im Namen des Kurfürsten den Grundstein zum spätgotischen Neubau der Peterskirche. Noch vor 1496 wurde der Neubau vollendet. Bevor Bellendörffer 1512 verstarb, saß er wie Sie öfters hier im Gemeindeschiff, in einem hohen und weiten Saal, dessen Umfassungsmauern auch uns heute umgeben. Doch teilten noch keine Pfeiler den Saal in drei Schiffe. Denn schwere Gewölbe waren nicht zu tragen. Zu einer Holzdecke schaute Alexander Bellendörffer empor, wenn die Predigt langweilte.“

Quelle: Internetseite der theologischen Fakultät der Universität Heidelberg
Das Thema lautet “Gotik zur Himmelfahrt“ und die Predigt mit späteren Ergänzungen, bietet eine Fülle an interessanten Informationen zur Geschichte der Peterskirche.

Siehe auch Oechelhäuser 1913


Olympia Fulvia Morata (1526-1555)

Das Grabdenkmal der Gelehrten und Dichterin befindet sich an der Westwand der Universitätskapelle (südliches kleines Seitenschiff).

Die Inschrift des Grabdenkmals für Olympia Fulvia Morata und die Übersetzung ist auf der Internetseite des Heidelberger Geschichtsvereins aufgeführt und wurde so übernommen:


Deo immortali sacrum
Et virtuti ac memoriae Olympiae Moratae Fulvii
Morati Ferrariensis philosophi filiae, Andreae Gruntle
ri medici coniugis lectissimae feminae, cuius ingenium ac sin
gularis utriusque linguae cognitio in moribus autem probitas
summumque pietatis studiumque supra communem modum semper
existimata sunt. Quod de eius vita hominum iudicium
beata mors sanctissime ac pacatissime ab ea obita di
vino quoque confirmavit testimonio:
Obiit mutato solo anno salutis D. LV. super millesimo, suae aetatis XXIX;
hic cum marito et Aemilio fratre sepulta. Gulielmus Rascalo
nus medicinae doctor
Benemerenti pie posuit.


Übersetzung: Gott dem Unsterblichen geweiht. Der Tugend und dem Gedächtnis der Olympia Morata, des gelehrten Fulvio Morato aus Ferrara Tochter, des Arztes Andreas Grundler vortrefflichster Gattin als einer Frau, deren Geisteskraft und einzigartige Kenntnis beider Sprachen, deren Sittlichkeit und höchstes Streben nach Frömmigkeit über gewöhnliches Maß immer geschätzt wurden; welch Urteil der Menschen über ihr Leben ein seliger Tod, den sie heiligst und friedfertigst starb, auch mit göttlichem Zeugnis besiegelt hat. Sie starb auf fremdem Boden im Jahre des Heils 1555, im 29. ihres Lebens; hier ist sie mit dem Gatten und dem Bruder Emilio beerdigt. Guillaume Rascalon, Doktor der Medizin. Der Hochverdienten setzte er fromm dieses Denkmal.
Quelle: Heidelberger Geschichtsverein


Leben und Wirken von Olympia Fulvia Morata

Olympia Fulvia Morata wird 1526 in der oberitalienischen Stadt Ferrara als älteste von vier Geschwistern geboren. Der Vater, humanistischer Gelehrter, ist Erzieher am Hofe des Herzogs Alfonso I d'Estes. Die hochbegabte Olympia wird anfangs von ihrem Vater, ab 1540 am Hofe der Estes, zusammen mit Anna d'Este, der ältesten Tochter des Herzogs Ercole II (Sohn Alfonsos) und seiner Frau Renata, in Latein und Griechisch unterrichtet. Lehrer sind die aus Deutschland stammenden Brüder Johann und Kilian Senf (ital. Sinapius). Olympia lernt in dieser Zeit am Hofe der Estes namhafte Größen des Wissenschaftsbetriebes kennen und genießt selbst große Bewunderung wegen ihres sicheren Umgangs mit den Texten antiker Quellen und ihrer ganz eigenen Interpretationen. Auch wegen ihrer eigens verfassten Schriften und ihrer Gedichte erntet sie viel Lob. Olympia verlässt 1548 den Hof um ihren kranken Vater zu pflegen, der noch im selben Jahr stirbt. Nach dem Tod des Vaters bleibt sie bei der Mutter und unterrichtet ihre jüngeren Geschwister.

Um 1549 heiratet Olympia den aus Deutschland stammenden Mediziner Andreas Grundler (Promotion 1549 in Ferrara). Mit ihm und dem 8 Jahre alten Bruder Emilio bricht sie ein Jahr später nach Deutschland auf und kommt, nach mehreren Zwischenstationen, im Herbst 1550 in Schweinfurt, der Heimatstadt Grundlers, an. Grundler übernimmt die Stelle des Stadtarztes, Olympia unterrichtet Emilio und Theodora, die Tochter des ebenfalls nach Deutschland zurückgekehrten Johann Senf. Daneben widmet sie sich ihren Studien. In dieser Zeit beginnt sie auch, sich intensiv mit den Schriften der Lutheraner zu beschäftigen, was in Ferrara aus politischen Gründen nicht möglich war. Fortan nimmt ihre religiöse Überzeugung den ersten Platz in ihrem Leben ein.


Es sollte keine Ruhe mehr in Olympias Leben einkehren: den Zweite Markgräflerkrieg (Markgraf Albrecht Alcibiades von Brandenburg-Kulmbach) bekommt auch Schweinfurt immer wieder zu spüren, bis am 12./13. Juni 1554 die Stadt völlig niedergebrannt wird. Die Grundlers können zu Fuß flüchten, ihre gesamte Habe, also auch die Bibliothek und Olympias Schriften werden ein Raub der Flammen. Zuletzt finden sie Aufnahme bei den Grafen zu Erbach im Odenwald bis sie sich fast völlig mittellos in Heidelberg niederlassen. Durch Vermittlungen der gräflichen Familie hat Grundler einen Lehrstuhl an der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg angeboten bekommen und am 12. Juli 1554 das Amt übernommen. Olympia richtet einen neuen Haushalt ein, kümmert sich um Emilio und legt den Grundstock für eine neue Bibliothek (viele ihrer Freunde schenken ihr Bücher). Neben ihren Studien erteilt sie Unterricht in Altgriechisch. Ob sie offiziell im Auftrag der Heidelberger Universität lehrt, ist nicht ausreichend belegt – sie wäre die erst Heidelberger Professorin.


Peterskirche, Epitaph für Olympia Fulvia Morata
Gedenkstein für Olympia Fulvia Morata im Inneren der Peterskirche (Oberes der beiden Epitaphien)

Den Briefen Olympias aus der Heidelberger Zeit ist zu entnehmen, dass sie sich von den Strapazen der Flucht nicht mehr erholt hat, einzig ihre Studien zu religiösen Themen und ihr tief empfundener Glaube an Gott geben ihr Halt. Ihr gesundheitlicher Zustand, bei ihr ist vermutlich die Tuberkulose ausgebrochen, verschlimmert sich ein Jahr nach der Ankunft in Heidelberg sehr. Olympia ist bewusst, dass sie bald sterben wird. Brieflich nimmt sie von ihren Freunden Abschied und stirbt, mit sich im Reinen, am 26. Oktober 1555. Ende des gleichen Jahres sterben ihr Ehemann Andreas und ihr Bruder Emilio an der Pest. Ihre letzte Ruhestätte haben sie auf dem Friedhof um die Peterskirche gefunden.

Das Grabmal von Andreas Grundler ist uns nicht erhalten geblieben. Bei Adamus 1612, S. 70 sind noch beide Grabdenkmale aufgeführt.

Die Übersetzung der Inschrift von Andreas Grundlers Grabdenkmal findet man im Katalog zur Ausstellung von 1998, S. 47; s. u. Literatur / Quellen


Celio Secondo Curione (1503-1569) lebt von 1540 bis 1542 im Haus der Familie Morato und war begeistert von der begabten Tochter Olympia. 1542 verlässt er als überzeugter Reformator Italien und lässt sich erst in Lausanne, ab 1546 in Basel nieder. Olympia und Curione stehen in Briefkontakt – anfänglich sporadisch, ab der Zeit in Deutschland intensiv. Auf dem Sterbebett bittet sie in ihrem letzten Brief an ihren väterlichen Freund Curione darum, dass er sich ihrer Gedichte annimmt. Curione führte sofort nach Olympias Tod alle ihm zugänglichen Briefe und weitere Schriften zusammen.

Die 1562 von Curione herausgegebenen und in Basel in Druck gegangenen Schriften Olympia Fulvia Moratas geben Einblick in ihr, nur zu einem kleinen Teil erhaltenes, Werk und sind online abrufbar (2. erweiterte Ausgabe, 1. Ausgabe erschien 1558).
Übersetzungen findet man bei: Olympia Fulvia Morata, Briefe, Hrsg. Rainer Kößling, Leipzig 1991.

Siehe auch: Universitätsbibliothek Basel, Münch 1827, kleio.org, Einweihung des Morata-Hauses in Heidelberg


Richard Rothe (1799-1867)

Heidelberegr Peterskirche - Denkmal Richard Rothe
In der Universitätskapelle (südliches kleines Seitenschiff) finden wir das vom Karlsruher Bildhauer Christian Elsässer geschaffene Denkmal Rothes. Darunter das Grabmal des Gelehrten Georg Adolf Succow (1751-1813).

Rothe ist auf besondere Weise mit dem Schicksal der Peterskirche verbunden. Als der Friedhof um die Peterskirche geschlossen war und der größte Teil des Geländes an die Eisenbahngesellschaft verkauft ist, kam die Frage auf, wie wichtig die Kirche – mit Blick auf die Heiliggeistkirche – noch sei. Rothe argumentiert, dass die Kirche eine wichtige Rolle für die Universität spielt und erreichte mit seinem Engagement, dass die Heidelberger Universität den Erhalt der Kirche durchsetzt.

Finanzielle Unterstützung für Wiederherstellung und Umbau der Kirche stammt unter anderem aus Mitteln, die von der Eisenbahngesellschaft für das Überlassen von Gelände um die Peterskirche gezahlt werden. Baubeginn ist 1864, die feierliche Einweihung findet 1870 statt.

Näheres zur Neugestaltung der Peterskirche ist bei Franck Marperger 1880 und Oechelhäuser 1913 nachzulesen.


Lebensdaten zu Rothe

Richard Rothe, am 28. Januar 1799 in Posen geboren, war Evangelischer Theologe. Sein Studium beginnt er 1817 an der Universität Heidelberg und wechselt zwei Jahre später an die Berliner Universität, wo er 1820 seine 1. und 1823 seine 2. Theologische Prüfung ablegt. Er wird ordiniert.

Von 1820-1822 lässt sich Rothe am Predigerseminar in Wittenberg ausbilden, einer der Direktoren ist H. L. Heubner (1780-1853). Über ihn lernt Rothe Luise von Brück, die Schwägerin Heubners, kennen, 1823 heiraten die beiden.

1824 wird Rothe Hilfsprediger in Breslau und noch im selben Jahr übersiedelt er nach Rom, um eine Stelle als Preußischer Gesandtschaftsprediger anzutreten.

1828 folgt Rothe einem Ruf als Professor zurück an das Predigerseminar in Wittenberg, ab 1832 hat er als 2. Direktor mit Heubner, der nun 1. Direktor ist, die Leitung inne.

1837 folgt Richard Rothe einem Ruf als ordentlicher Professor der Theologie an die Universität Heidelberg. 1838 wird er erster Direktor des neu eingerichteten Evangelisch-Protestantischen Predigerseminars, heute Praktisch-Theologisches Seminar.

1849 wechselt Rothe an die Universität Bonn, kehrt dann aber 1854 nach Heidelberg zurück. 1853 wird Rothe zum Geheimen Kirchenrat ernannt.

1863 wird Rothe Abgeordneter der Ersten Badischen Kammer und vertritt die Universität.

1865 ist Rothe, neben u. a. J. C. Bluntschli (1808-1881) und D. Schenkel (1813-1885), Mitbegründer des Deutschen Protestantenverein . Rothe gehörte mehreren Institutionen an, in denen er seine Ansichten über die Umsetzung theologischer Inhalte vertritt.

Hauptquellen: Neue Deutsche Biographie und Alte Deutsche Biographie


Richard Rothe stirbt am 20. August 1867 und wird auf dem Heidelberger Bergfriedhof neben seiner 1861 verstorbenen Frau Louise (lt. Familiengräberbuch “Wilhelmine”) beigesetzt (Litera A 79-80). 1944 wird die Grabstätte “eingezogen”. Das Grabmal steht heute an der Südseite der Peterskirche.


Heidelberger Peterskirche - Grabmal Rothe
Der an der südlichen Außenwand der Peterskirche aufgestellte Grabstein stammt vom Bergfriedhof, wo Richard Rothe begraben liegt (Litera A 79-80). Das Denkmal wurde nach Auflösen der Grabanlage (1944) hierher gebracht.

Werk und Lehre Rothes kann hier nicht gebührend gewürdigt werden

Richard Rothe war ein tief religiöser Mensch. Die anfänglichen Gedanken zur gelebten Religion revidiert Rothe im Laufe seines Lebens grundlegend: vom konservativ-protestantisch geprägten religiösen Leben hin zur gelebten Religion aus einer tiefen Empfindung heraus – ohne Dogmen. Er geht so weit, dass Gottes Wort im modernen, selbstbestimmten Leben des Menschen so verankert sein soll, dass die Kirche überflüssig wird. Werk und Lehre Rothes, einem der bedeutendsten und weithin bekanntesten Theologen um die Mitte des 19. Jahrhunderts, kann an dieser Stelle nicht gebührend gewürdigt werden.

Ausführliches zu Richard Rothe schrieb sein Schüler Friedrich Nippold (1838-1918) in zwei Bänden (Band 1 – 1873 / Band 2 – 1874) Auch Rothes Schüler Adolf Hausrath (1837-1909) widmet sich in zwei Bänden (Richard Rothe und seine Freunde, Band 1 – 1902 / Band 2 – 1906) ausführlich dem Leben seines Lehrers.

Zur Feier des 100. Geburtstags Rothes hält der Dekan der Theologischen Fakultät, Ernst Tröltsch (1865-1923) in der Universitäts-Aula einen Vortrag zu Rothes Werk (Tröltsch 1899 ). Tröltsch interprtetiert hier Rothes Lehre aus seiner Sicht.

Eine Literaturliste findet sich zum Beispiel hier


Peterskirche Heidelberg - Rothe-Denkmal
Rothe-Denkmal in der Peterskirche - Detail. Das Denknal schuf der Karlsruher Bildhauer Christian Elsässer.

Die Rothe-Büste in der Peterskirche wird am 9. Februar 1899 enthüllt

in der Chronik der Stadt Heidelberg 1899 ist zu lesen: “Am 9. Februar fand in der Peterskirche ein Fest zur Erinnerung an Richard Rothe statt, der am 28. Januar 1799 geboren war und mit der Entwicklung der kirchlichen Studien und des kirchlichen Lebens in Baden eng verknüpft ist und einen weit über seinen Tod hinaus reichenden Einfluss auf die evangelische Kirche geübt hat.”

Für die Organisation des Festes war ein Komitee eingesetzt worden, das auch die Anfertigung einer Büste Rothes beschloss. Den Zuschlag bekommt der Karlsruher Bildhauer Christian Elsässer (1861-1922). Er schuf “… eine Büste aus weißem Marmor auf bronzenem Postament, die die edeln und durchgeistigten Züge des großen Theologen mit großer Treue und in seiner Ausführung der Nachwelt überliefert” (ebd.). Bei den Festlichkeiten zur Erinnerung an Rothe wird die Büste enthüllt und der Kirchengemeinde übergeben. Am selben Tag findet ein Festakt in der Universitäts-Aula statt (siehe oben, Reden von Tröltsch).

Universitätskapelle vor 1913, Rothe-Denkmal (bei Oechelhäuser 1913)


Peterskirche - Innenansichten

Innenansichten der Heidelberger Peterskirche


Literatur / Quellen

Olympia Fulvia Morata, Baldassare Castiglione,
Olympiae Fulviae Moratae ... Orationes, Dialogi, Epistolae, Carmina, tam Latina quam Graeca
Curio, Coelius Secundus (Hrsg.)

Basileae 1562

Signatur Universitätsbibliothek Heidelberg: D 8545 RES

Online Universität Mannheim

Melchior Adam
Apographum Monvmentorvm Haidelbergensivm

Heidelberg 1612

Signatur Universitätsbibliothek Heidelberg: Barth 94 RES

Online Universität Heidelberg

Valentin Ferdinand von Gudenus
Sylloge ... Variorvm Diplomatariorvm Monvmentorvmqve Vetervm Ineditorvm Adhvc, Et Res Germanicas In Primis Vero Mogvntinas Illvstrantivm/1; Seite 127f;

Francofvrti Ad Moenvm 1728

Signatur Universitätsbibliothek Heidelberg: B 5292 RES::1

Online Universität Heidelberg

Adolf Hausrath
Richard Rothe und seine Freunde - Band 1

Berlin 1902

Signatur Universitätsbibliothek Heidelberg: F 7342-11::1

Online Universität Bonn

http://archive.org/stream/richardroundsei00hausgoog#page/n11/mode/2up

Adolf Hausrath
Richard Rothe und seine Freunde - Band 2

Berlin1906

Signatur Universitätsbibliothek Heidelberg: F 7342-11::2

Online Universität Bonn

Maria Heinsius
Das unüberwindliche Wort

München 1951

Signatur Universitätsbibliothek Heidelberg: KG Lc 297

Rainer Kößling (Hrsg.)
Olympia Fulvia Morata
Briefe

Leipzig 1991

Signatur Universitätsbibliothek Heidelberg: 92 A 239

Heinrich Liedvogel
Die Kreuzigungsgruppe auf dem Bergfriedhof

in: Heidelberger Fremdenblatt, Dezember 1951, Seite 10f;

Heidelberg 1950

Signatur Universitätsbibliothek Heidelberg: A 2721 Folio::1950-51

Franck Marperger (Hrsg.)
Constructionen, nach welchen die Universitätskirche St. Peter in Heidelberg wieder hergestellt wurde
Zum Besten der Kaiser Wilhelm-Stiftung für Deutsche Invaliden

Heidelberg 1880

Signatur Universitätsbibliothek Heidelberg: C 6601 Gross RES;;SK

Online Universität Heidelberg (zur besseren Lesbarkeit Karteireiter “OCR-Volltext” anklicken!)

Werner Moritz (Hrsg.)
Olympia Fulvia Morata : Stationen ihres Lebens
Ferrara – Schweinfurt – Heidelberg

in: Katalog zur Ausstellung im Universitätsmuseum Heidelberg, 26. März – 8. Mai 1998 / bearb. von Reinhard Düchting

Ubstadt-Weiher : Verl. Regionalkultur, 1998; (Schriften / Archiv und Museum der Universität Heidelberg ; 1;

Signatur Universitätsbibliothek Heidelberg: 98 S 87

Ernst Hermann Joseph Münch
Olympia Fulvia Morata
Beitrag zur Gelehrten-Geschichte Badens ; als Programm zur Feier des Geburtsfestes ... des Großherzogs Ludwig Wilhelm August ...

Freiburg im Breisgau 1827

Signatur Universitätsbibliothek Heidelberg: F 7136

Online Google-E-Book

Ernst Mushake (Schriftführer)
Die Friedhöfe in Heidelberg
Führer durch die christlichen und jüdischen Friedhöfe

Frankfurt/Main o. J. (1929)

Signatur Universitätsbibliothek Heidelberg: KG IV h 159

Friedrich Nippold
Richard Rothe - Band 1

Wittenberg 1873

Signatur Universitätsbibliothek Heidelberg: F 7342 A::1

Online Universität Bonn

Friedrich Nippold
Richard Rothe - Band 2

Wittenberg 1874

Signatur Universitätsbibliothek Heidelberg: F 7342 A::2

Online Universität Bonn

Adolf von Oechelhäuser / Franz Xaver Kraus (Hrsg.)
Die Kunstdenkmäler des Grossherzogtums Baden (Bd. 8,2)
Die Kunstdenkmäler des Amtsbezirks Heidelberg (Kreis Heidelberg), Seite 155-197;

Tübingen 1913

Signatur Universitätsbibliothek Heidelberg: C 3924-2::8,2

Online Universität Heidelberg

Rothe-Denkmal-Komitee
Richard Rothes Hundertjahrfeier
Denkschrift des Rothe-Denkmal-Komitees nebst den bei der Enthüllung der Rothe-Büste am 9. Februar 1899 von ... Lemme, ... Wielandt und ... Hönig in der Peterskirche zu Heidelberg gehaltenen Reden

Heidelberg1899

Signatur Universitätsbibliothek Heidelberg: Brosch 3867

Richard Rothe
Warum fühlt die deutsch-evangelische Kirche grade in unsern Tagen das Bedürfniß von Predigerseminarien?
Denkschrift der Eröffnung des Großherzoglich Badischen Evangelisch-Protestantischen Predigerseminariums zu Heidelberg

Heidelberg 1838

Signatur Universitätsbibliothek Heidelberg: Q 4884

Richard Rothe
Rede zum Geburts-Feste des höchstseeligen Grossherzogs Karl Friedrich von Baden und zur akademischen Preisvertheilung am 22. November 1848
Über die Aussichten der deutschen Universitäten aus dem Standpunkte der Gegenwart

Heidelberg 1848

Signatur Universitätsbibliothek Heidelberg: ZA 7147,39

Online Google-E-Book

Ilona Scheidle
Heidelbergerinnen, die Geschichte schrieben

München 2006

Signatur Universitätsbibliothek Heidelberg: 2006 A 8065

Helmut Thielicke
Glauben und Denken in der Neuzeit
Die großen Systeme der Theologie und Religionsphilosophie

Tübingen 1988 / 2., durchges. u. erw. Aufl.

Signatur Universitätsbibliothek Heidelberg: 2006 C 1719

Inhaltsverzeichnis online

Ernst Troeltsch
Richard Rothe
Gedächtnisrede gehalten zur Feier des hundertsten Geburtstages in der Aula der Universität

Freiburg i. B. 1899

Signatur Universitätsbibliothek Heidelberg: 82 R 439

Online Universität Bonn

Richard Rothe
Über Kirchenverfassung
Rede, gehalten in der badischen Generalsynode

Hannover 1863

Signatur Universitätsbibliothek Heidelberg: 82 R 421

Online Google-E-Book

Anneliese Seeliger-Zeiss
Zum Grabmalbestand der Peterskirche

in: Die Peterskirche in Heidelberg - Innenrenovierung 2005, Seite 17f;

Heidelberg 2005

Signatur Universitätsbibliothek Heidelberg: 2005 S 419

Anneliese Seeliger-Zeiss
Die Heidelberger Peterskirche. Versuch einer kunsthistorischen Bestandsaufnahme

in: Helmut Schwier (Hg.),Geöffnet. Raum und Wort in der Heidelberger Universitätskirche. S. 15-36

Frankfurt 2006

Signatur Universitätsbibliothek Heidelberg: 2007 A 435

Inhaltsverzeichnis online

Anneliese Seeliger-Zeiss
Die Ev. Peterskirche, Universitätskirche Heidelberg
2., neu bearbeitete Auflage

in: Schnell, Kunstführer Nr. 1595 (Reihe)

Regensburg 2006

Signatur Universitätsbibliothek Heidelberg: 2007 R 523