Der alte Friedhof bei der Providenzkirche

Die erste Lutherische Kirche Heidelbergs

Die Providenzkirche wird 1661 als erste Lutherische Kirche in Heidelberg eingeweiht. Bei der Feier ist Kurfürst Karl Ludwig, als Unterstützer der Konfession hat er einen Teil des Herrengartens für den Bau zur Verfügung gestellt, mit seiner Familie anwesend.

Schon 32 Jahre später wird das Gotteshaus im Zuge der Pfälzischen Eroberungskriege stark beschädigt. Von 1700 bis 1717 wird die Kirche wieder aufgebaut, 1721 der Kirchturm angebaut (nach Oeschelhäuser 1913, 197f war der Turm 1738 noch im Bau) und 1740 folgte die Einweihung der heute ältesten Orgel Heidelbergs.

Zunächst wird die Kirche, wie schon zuvor, nur von den Lutheranern besucht, die Reformierten nutzen die Heiliggeistkirche. “Am 26. Juli 1821 vereinigte sich die reformierte und die lutherische Kirche zur heutigen Evangelischen Kirche in Baden. Die Providenz wurde neben der Heiliggeistkirche die zweite große Hauptkirche der Evangelischen in Heidelberg” (Seeliger-Zeiss 2011, S. 11).


Der "kleine aber vornehme Friedhof"

Der Kirchhof um die Providenzkirche dient als Gottesacker, doch wird bis ins 18. Jahrhundert auch in der Kirche bestattet. Die Bestattungskosten waren relativ hoch, so dass er auch als “Friedhof der Reichen” galt.

Als sich 1821 in Baden durch die Kirchenunion die Lutheraner und die Reformierten zusammenschließen, werden nun auch die Lutheraner auf dem evangelischen Teil – vorher war für sie nur ein kleiner separater Bereich reserviert – des Friedhofs bei der Peterskirche beigesetzt.

Der Friedhof der Providenzkirche wird 1830 aufgelassen. Heute zeugen noch 2 Grabdenkmale von dem ehemaligen Kirchhof. Sie stehen im Hof an der Außenmauer der Kirche. 1913 waren noch 11 Grabdenkmale vorhanden, sie sind bei Oechelhäuser 1913, S. 202ff beschrieben.

In der Rhein-Neckar-Zeitung vom 24. März 1956 ist über den “kleinen aber vornehmen Friedhof” zu lesen, dass man bei Bauarbeiten in einem Garten östlich der Providenzkirche hinter den Häusern Hauptstraße / Ecke Friedrichstraße in 70 cm Tiefe auf eine zum ehemaligen Friedhof der Providenzkirche gehörige Gruft gestoßen ist. Zur historischen Ausdehnung des Friedhofs schreibt die Rhein-Neckar-Zeitung: “Die Begräbnisstätte reichte westlich über die heutige Karl-Ludwig-Straße hinweg, östlich bis an die Friedrichstraße”.


Das "bedeutendste Barockgrabmal Heidelbergs"

Einige Grabdenkmale in der Kirche sind erhalten geblieben. So auch das “bedeutendste Barockgrabmal Heidelbergs” (Seeliger-Zeiss 2011, S. 28):

Am 20. Oktober 1746 stirbt Eleonora Charlotte von Bettendorf, geb. von Racknitz, Ehefrau (geh.1699) des Generalmajors Philipp Ludwig Freiherr von Bettendorf (gest.1733 bei Neapel) und wird in der Turmhalle der Kirche beigesetzt.

Das aufwendig gefertigte Grabdenkmal ist vom Sohn der Verstorbenen, Christoph Ludwig (gest.1763, damit ist auch die Linie ausgestorben), gestiftet worden. Oechelhäuser 1913, S. 199f;

Es kann “dem engsten Kreis des Bildhauers Paul Egell zugeschrieben werden” (Seeliger-Zeiss 2011).

Wappen der Bettendorfs


Literatur / Quellen

Ernst Mushake (Schriftführer)
Die Friedhöfe in Heidelberg
Führer durch die christlichen und jüdischen Friedhöfe

Frankfurt/Main o. J. (1929)

Signatur Universitätsbibliothek Heidelberg: KG IV h 159

Adolf von Oechelhäuser; Franz Xaver Kraus [Hrsg.]
Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden (Band 8,2): Die Kunstdenkmäler des Amtsbezirks Heidelberg (Kreis Heidelberg)
Providenzkirche: Seite 197ff;

Tübingen 1913

Signatur Universitätsbibliothek Heidelberg: C 3924-2::8,2

In digitaler Form

Anneliese Seeliger-Zeiss
Evang. Providenzkirche Heidelbnerg
Schnell Kunstführer, 2., neu bearb. Aufl.

Regensburg 2011

Signatur Universitätsbibliothek Heidelberg: 2011 R 755

Reinhard Störzner ... (Hrsg.)
350 Jahre Providenzkirche Heidelberg. Festschrift zum Jubiläum 2011
Hrsg. von Reinhard Störzner in Zusammenarbeit mit Prof. Wolfgang Herbst und Jörg-Uwe Finze im Auftrag des Ältestenkreises der Ev. Altstadtgemeinde Heiliggeist–Providenz

Heidelberg 2011

Signatur Universitätsbibliothek Heidelberg: 2011 B 548